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Soziale Netzwerke Was die Internet-Weltmacht Facebook antreibt

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Großraumbüro bei Facebook

Die reibungslose Expansion ist vor allem die Aufgabe von Bret Taylor. Der 29-Jährige ist ein in sich ruhender Mann mit strahlenden Augen, der trotz seiner jungen Jahre ein High-Tech-Veteran ist. Früher arbeitete er bei Google, gründete dann das Startup Friendfeed und kam im Rahmen der 50-Millionen-Dollar-Übernahme seiner Firma, die via Internet veröffentlichte Nachrichten von Freunden und Bekannten aggregiert, zu Facebook.

Ohne seine innere Ruhe würde Taylor der Job verrückt machen. Denn er ist verantwortlich dafür, dass die Technikbasis von Facebook trotz rasant steigender Mitgliederzahlen nicht zusammenbricht. Schon jetzt werden auf Facebook weltweit fast zehn Millionen Fotos aufgerufen – pro Sekunde. Jede kleine Information, die auf Facebook landet, wird für alle Ewigkeit gespeichert, zumindest solange der Nutzer sie nicht löscht. Außerdem muss das Unternehmen sicherstellen, dass persönliche Daten nur den dafür befugten Nutzern angezeigt werden. „Es ist eine Menge Neuland, aber das macht ja den Reiz aus“, sagt Taylor. Das gibt ihm den Kick, den der etablierte Suchmaschinengigant Google nicht mehr bieten kann. „Google war mir zu groß geworden“, sagt ein weiterer Überläufer, der Facebook-Kommunikationschef Elliot Schrage.

Tadel aus Harvard

Derzeit wird auf Schrage freilich von allen Seiten eingeprügelt. Es geht darum, ob Facebook den Schutz der Nutzerdaten zu sehr auf die leichte Schulter nimmt, um sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz wie beispielsweise der deutschen StudiVZ zu verschaffen. Die darf sich Ähnliches wegen der strengeren deutschen Datenschutzbestimmungen nicht leisten.

Längst beschäftigen sich Regierungen weltweit mit der mangelnden Privatsphäre auf Facebook, neben dem US-Kongress auch die deutsche Bundesregierung. Wird der Protest zu laut, räumt Zuckerberg regelmäßig ein, „dass wir den Schutz unserer Daten besser hätten kommunizieren müssen“. Das klingt wie ein Seitenhieb auf Schrage und seine Leute. In Wirklichkeit praktiziert Zuckerberg, was viele erfolgreiche Internet-Unternehmer vor ihm getan haben: Grenzen testen, ausloten, wie weit man gehen kann. So handelte sich Zuckerberg schon mit einem Vorläufer von Facebook einen Tadel von seiner Alma Mater Harvard ein, weil er ungefragt Informationen seiner Kommilitonen ins Netz gestellt hatte.

Auch in Deutschland droht Facebook Ungemach. In der vergangenen Woche leitete der Hamburger Datenschutzbeauftragte ein förmliches Bußgeldverfahren gegen das Unternehmen ein. Hintergrund ist, dass Facebook bei bestimmten Funktionen zum Auffinden neuer Freunde die E-Mail- und Handy-Adressbücher seiner Nutzer auswertet. Dadurch sollen Nichtmitglieder ungefragt per E-Mail zum Registrieren bei Facebook angefragt worden sein.

In China ausgebremst

Bisher hat die Kritik der Datenschützer Facebook jedoch nicht gebremst – weder beim Wachstum der Neumitglieder noch bei den Aktivitäten der bestehenden Gemeinschaft. Aufrufe zum Massenaustritt etwa von Internet-Unternehmern wie Jason Calacanis, der sich ausspioniert fühlte, haben nichts gefruchtet. Dafür ist das Netzwerk schon zu etabliert.

Die größte Gefahr für seinen Laden, weiß Schrage, kommt nicht unbedingt von eigenen Nutzern, sondern von Politikern. Im wichtigsten Internet-Wachstumsmarkt China beispielsweise hat Facebook nie einen Fuß auf den Boden bekommen. Denn die chinesische Regierung fördert das ihr genehme soziale Netzwerk Xiaonei und bremst Facebook aus. Wie schon bei Google fürchten die Zensoren, sie könnten den Informationsfluss nicht mehr kontrollieren. Facebook ist in China nur sporadisch erreichbar.

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