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Soziale Netzwerke Was die Internet-Weltmacht Facebook antreibt

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Teeküche bei Facebook

„Es wäre schade, wenn Regierungen vorschreiben, was im Internet alles nicht getan werden darf“, sagt Schrage. Er hat einen Trumpf im Ärmel. Wenn Facebook staatliche Auflagen zur Zensur oder dem allzu starken Abschotten von Nutzerprofilen als zu drakonisch und nicht praktikabel einschätzt, „dann werden wir uns überlegen, ob wir unserem Service in dem Land noch anbieten“. Zumindest in demokratischen Ländern könnte das einen Protestschrei der Mitglieder auslösen, der Druck auf die Politik wäre groß – vor allem dort, wo es keine ernst zu nehmende Konkurrenz zu Facebook gibt.

Simple Grundidee

In Deutschland allerdings hat Facebook noch nicht gesiegt: Hier sind die VZ-Netzwerke stärker. Aber auch sie kommen zunehmend unter Druck. Zwar ist die Gruppe mit den drei Plattformen SchülerVZ, StudiVZ und MeinVZ mit rund 17 Millionen Nutzern Marktführer. Doch Facebook holt auf: Erst im März 2008 mit einem lokalen Angebot gestartet, vermeldeten die Amerikaner vor rund einem Monat zehn Millionen aktive Nutzer in Deutschland. Das macht Zuckerberg stolz: „Vor einigen Jahren waren wir bei euch doch fast gar nicht sichtbar.“

Besondere Schritte, um den Rückstand auf die VZ-Netzwerke aufzuholen, plant der 26-Jährige aber nicht: „Die Grundidee der Vernetzung von Menschen ist so simpel, dass es neben der Sprache keiner besonderen Anpassungen bedarf.“ Das sehen die VZler anders und wollen den Konkurrenten vor allem mit der Besinnung auf ihre lokalen Stärken auf Abstand halten.

Unternehmerische Kontrolle

Trotz aller Erfolge: Große Eile, an die Börse zu gehen oder immense Gewinne zu erwirtschaften, hat Zuckerberg offiziell nicht. „Wir wollen Facebook weiter ausbauen“, sagt er, „wir stehen bei den sozialen Medien doch erst am Anfang.“ Einem Börsengang wird er sich über längere Zeit allerdings schon deshalb nicht entziehen können, weil seine Wagniskapitalgeber irgendwann Geld sehen wollen.

Zuckerberg selbst hält zwar nur noch 24 Prozent, hat aber die volle unternehmerische Kontrolle über seine Schöpfung. Die könnte er, ähnlich wie es Google oder die „Washington Post“ machen, durch Aktien mit Mehrfachstimmrecht auch nach einem Börsengang behalten und damit Facebook auf absehbare Zeit kontrollieren. Er ist schließlich erst 26 – und hat damit noch reichlich Zeit, Grenzen zu testen.

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