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Sparprogramm Maschinenbauriese Gildemeister in der Krise

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Grafik: Umsatz/Überschuss Gildemeister-Konzern

Auch beim Service führte Kapitza Verbesserungen ein – mit 24-Stunden-Hotlines und schnellen Eingreiftruppen für den Fall, dass beim Kunden etwas schiefläuft. Mehr als ein Viertel des Geschäfts entfällt heute auf Wartung, Beratung oder Ersatzteillieferungen. Das ist gerade in der Krise von Vorteil: Selbst wenn die Kunden ihre alten Maschinen erst mal mürbe fahren und auf Neubestellungen verzichten, läuft das Ersatzteil- und Wartungsgeschäft weiter. Hinzu kommt, dass Servicemargen deutlich höher sind als im klassischen Geschäft.

Dass Gildemeister die Branchenkatastrophe besser abwettert als andere, ist nicht zuletzt Folge des Einstiegs in das Geschäft mit regenerativen Energieanlagen vor vier Jahren. Sun Carrier und Sky Carrier heißen zwei Neuentwicklungen, die Fotovoltaikmodule elektronisch nach dem Sonnenstand ausrichten. Zehn Prozent des Konzernumsatzes entfallen mittlerweile auf die neue Technik. Da sich die Auftragsabwicklung in diesem Bereich oft über mehrere Monate hinzieht, schlägt die aktuelle Krise weniger stark durch. Allein im Juni zog a+f, die Würzburger Tochtergesellschaft für das Energiegeschäft, Aufträge über mehr als 70 Millionen Euro an Land.

Um die Einbußen im Stammgeschäft auszugleichen, ist der Energiebereich aber noch zu klein. Kapitza muss kräftig sparen, sträubt sich aber bisher gegen einen radikalen Personalabbau. Weit über 300 Leiharbeiter mussten schon gehen, 380 feste Jobs werden zurzeit abgebaut – aber seine Ingenieure und Facharbeiter schont der Westfale noch, so gut es geht.

100 Millionen Euro will Gildemeister einsparen

100 Millionen Euro will Kapitza jetzt einsparen – noch im März umfasste das Sparpaket nur 60 Millionen. Einen Batzen bringt die Partnerschaft mit dem japanischen Werkzeugmaschinenbauer Mori Seiki, der Nummer acht weltweit. Seit Anfang Juli haben die beiden den Vertrieb in Taiwan, Thailand, Indonesien und der Türkei zusammengelegt. Insgesamt 15 Millionen Euro jährlich soll die Zusammenarbeit den Partnern bringen. Und das ist erst der Anfang: Nach und nach soll die Kooperation auf Produktion, Entwicklung, Einkauf sowie Kundenfinanzierungen ausgedehnt werden. Um das Bündnis zu festigen, wurde eine Kreuzbeteiligung von jeweils fünf Prozent vereinbart. Dennoch reichen die bisherigen Maßnahmen vermutlich nicht aus, um die Krise zu bewältigen. Der Gildemeister-Umsatz wird 2009 wahrscheinlich um rund 600 Millionen Euro auf 1,3 Milliarden Euro einbrechen. Insider erwarten in den kommenden Wochen eine Ausweitung des Sparprogramms.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Grafik: Aktieninfo Gildemeister

Zusätzlichen Ärger bereitet die Staatsanwaltschaft Bielefeld, die seit Anfang 2008 gegen Kapitza ermittelt. Die Untersuchungen wegen Insiderhandels sind inzwischen eingestellt worden, die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Untreue, Bestechung, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung dauern noch an.

In der Branche ist zu hören, an der Sache sei nichts dran; die Untersuchungen würden im Sande verlaufen. Kapitza ist nach wochenlangen internen Ermittlungen vom Aufsichtsrat schon im vergangenen Jahr entlastet worden.

Das größere Problem bleibt für Kapitza deshalb die Branchenkrise. „Das ist kein gewöhnlicher Konjunktureinbruch, sondern eine strukturelle Krise“, sagt Lutz -Jäde, Restrukturierungsexperte der Beratung Oliver Wyman. Jäde geht davon aus, dass die Umsätze der -meisten Werkzeugmaschinenbauer erst 2012 den Stand von 2006 erreichen – trotz kleiner Hoffnungsschimmer aus China und Indien.

Extreme Zyklen sind für die stark konjunkturabhängige Industrie zwar nicht ungewöhnlich. Aber im Moment fallen zwei Effekte zusammen: das Platzen der mit billigen Krediten finanzierten Auftragsblase und die Probleme der Automobilindustrie, dem Hauptkunden der Branche. Hersteller und Zulieferer kaufen Werkzeugmaschinen vor allem, um ihre Produktivität zu erhöhen. „Doch welcher Autobauer will zurzeit mehr produzieren?“, fragt Jäde. Ob Gildemeister tatsächlich zu den Gewinnern der Krise zählt, weiß Konzernchef Kapitza deshalb frühestens 2012.

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