WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

SPD-Chef besucht Hochtief Gabriel, Zapatero, Perez - keine Achse für Hochtief

Die Hochtief-Zentrale in Essen, Hort des Widerstands gegen die drohende Übernahme durch den spanischen ACS-Konzern, erwartet am Donnerstag einen prominenten Sympathisanten zu Besuch: SPD-Chef Sigmar Gabriel. Der kann aber weder in Berlin noch in Madrid viel ausrichten.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Sinkende Hoffnung: Quelle: REUTERS

Das Hochtiefhaus ein paar hundert Meter hinterm Essener Hauptbahnhof ist sichtbar auf Krawall gebürstet. In den Fenstern rund um den Haupteingang des schlichten Vorkriegs-Baus kleben Plakate mit Totenköpfen und Särgen. „ACS no!“ ist da auf schrilles Orange gedruckt, oder „Wir lassen uns nicht ausplündern“.

Wenn übermorgen, am Donnerstag, SPD-Chef Sigmar Gabriel den Hort des Widerstandes in der Ruhrpott-Metropole besucht, werden Plakate und Trillerpfeifen und zornige Sätze es bis in die Hauptnachrichtensendungen schaffen und ganz Deutschland signalisieren, dass hier noch gehofft und gekämpft wird und die Spanier bleiben sollen, wo die Olive wächst.

Aber was kann Gabriel wirklich tun? Ist die in Essen aufkommende Hoffnung realistisch, der SPD-Vorsitzende könne Einfluss nehmen auf den Lauf der Dinge, die sich gegen Hochtief verschworen haben? Gibt es tatsächlich eine Achse Gabriel-Zapatero-Perez und einen Wirkmechanismus, bei dem Gabriel einen Hebel bewegt und am Ende ACS-Chef Florentino Perez auf die sicher erscheinende, aber in Deutschland unerwünschte Mehrheitsübernahme verzichtet?

Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Einerseits: Besonders enge Beziehungen haben der deutsche und der spanische SPD-Chef bisher nicht gepflegt. Offensichtlich schätzt aber Gabriel den Genossen aus Madrid, der dort einen zunehmend schweren Stand hat. „Frau Merkel hat den Vorschlag des spanischen Regierungschefs Zapatero für eine gemeinsame europäische Wirtschaftspolitik brüsk zurückgewiesen“, beschwerte sich Gabriel vor einem halben Jahr über die Bundeskanzlerin.

Gleichzeitig wird Zapatero ein Interesse nachgesagt, bei der nächsten Europawahl 2014 zum Spitzenkandidaten der europäischen Sozialisten (SPE) gekürt zu werden – gegen den Deutschen Ober-Genossen geht da natürlich nichts. Und da beim SPE-Kongress Anfang Dezember in Warschau über das Verfahren entschieden wird – Mitgliederbefragung ja oder nein – steht die fern erscheinende Personalie durchaus schon auf der Tagesordnung.

Zu berücksichtigen ist auch ein handfesteres Problem: „Spanien ist von deutscher Unterstützung in der EU ziemlich abhängig“, heißt es in Kreisen nordrhein-westfälischer Hochtief-Sypathisanten. Tatsächlich ist Spaniens Finanzlage schwierig. Überbordende Haushaltsschulden von knapp 12 Prozent des BIP, Forderungen des IWF nach erneuten und noch stärkeren Sparmaßnahmen – da kann Zapatero noch einmal unter Druck geraten wie bereits im Frühjahr, als es deswegen zu Spannung zwischen Deutschland und Spanien kam. Aber wenn Merkel Zapatero Druck machen will, kann Gabriel sie nicht davon abhalten und dem Spanier kaum helfen.

Unterm Strich also: Kaum zu erwarten, dass Gabriel Zapatero zur Intervention pro Hochtief auffordern wird und bewegen kann. Zumal Zapatero Gabriel vermutlich postwendend antworten würde, dass er keinen Einfluss auf den mächtigen ACS-Chef und Real-Madrid-Präsidenten Perez hat, der politisch dem konservativen Lager nahe steht.

Sieht also so aus, als sei die komplette politische Schiene für Hochtief im ACS-Abwehrkampf eine Sackkasse. Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter sprach vergebens im Kanzleramt vor, Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle lehnte öffentlich jede Intervention ab, und wenn Hochtief-Gesamtbetriebsratschef Siegfried Müller Ende Oktober der spanischen Botschaft in Berlin eine Protestnote übergeben will, ist auch das bloß Polit-Folklore. So wie Sigmar Gabriels Auftritt am Donnerstag. Der Boss der Genossen eignet sich nicht als Strohhalm für Hochtief, weil eine Achse Gabriel-Zapatero-Perez nicht existiert. Und weil er sich nicht aus dem Fenster lehnen will wie einst SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der trotz massiver Intervention und Siegespose die Pleite des Baukonzerns Philipp Holzmann am Ende nicht verhindern konnte.

Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%