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Spitzelaffäre Telekom bespitzelte auch Aufsichtsratskinder

Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom könnte noch weit größere Ausmaße annehmen - als bislang bekannt. Sogar Kinder sollen bespitzelt worden sein.

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Die Deutsche Telekom Quelle: dpa

„Ich kann nicht ausschließen, dass noch mehr Telefonnummern und Namen bekanntwerden“, sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel dem „Handelsblatt“. Bislang habe seine Behörde mit zehn bis 20 Prozent „erst einen Bruchteil“ der Daten geprüft, die den Ermittlern vorlägen. Doch schon jetzt sei die Zahl der Betroffenen auf 55 angeschwollen.

Die Liste mit sämtlichen Namen liege der Zeitung vor. Die Liste lege nahe, dass bei den Bemühungen der Telekom, die firmeninternen Quellen eines Journalisten auszuspähen, offenbar alle Dämme gebrochen seien, heißt es in dem Bericht. So hätten Konzernmitarbeiter auch Gesprächsdaten von Personen überprüft, die als „undichte Stellen“ nie wirklich infrage kommen konnten – darunter etwa die Kinder zweier Aufsichtsräte der Deutschen Telekom.

Frank Bsirske: "Stasi-Methoden"

Verdi-Chef Frank Bsirske warf dem Bonner Unternehmen „Stasi-Methoden“ vorgeworfen. Die Praktiken der Telekom seien durchaus mit den Methoden des Geheimdienstes der ehemaligen DDR vergleichbar, sagte Bsirske dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Der Gewerkschaftsvorsitzende gehört nach Erkenntnissen der Bonner Staatsanwaltschaft ebenfalls zu den 55 Personen, die illegal ausspioniert wurden.

Die Telekom hatte 2005 und 2006 Daten von Telefongesprächen überprüfen lassen, um undichte Stellen im Konzern zu schließen. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt in der Bespitzelungsaffäre unter anderem gegen den früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel und den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke. Wie „Der Spiegel“ weiter berichtet, sollen sich die Verdachtsmomente gegen Zumwinkel verdichten.

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    Laut internen Untersuchungsberichten seien im Dezember 2005 sogar die Geschäftsverteilungspläne geändert worden seien, um für Zumwinkel und Ricke einen direkten Zugriff auf die Telekom-Sonderermittlungseinheit KS 3 zu schaffen. Mit diesem Schritt sei eine offenbar gängige Praxis im Konzern legitimiert worden. Das Magazin beruft sich auf interne Untersuchungen der Telekom. Zumwinkel und Ricke bestreiten, persönlich Aufträge zur Auswertung von Telefonverkehrsdaten erteilt zu haben.

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