WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Sportwagenbauer Porsche: Neue Hinweise auf mögliche Marktmanipulation

Unterlagen, die der WirtschaftsWoche vorliegen, nähren den Verdacht, dass sich Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der ehemalige Porsche-Finanzvorstand Holger Härter der Marktmanipulation schuldig gemacht haben könnten. Porsche räumt ein, die VW-Übernahme seit 2005 "fortlaufend überprüft" zu haben.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Seit August ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen die beiden Manager unter anderem wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

Porsche weist die Vorwürfe zurück:

„Die Gesellschaft und zwei renommierte Rechtsexperten haben die von der BaFin (Bundesfinanzaufsicht) bzw. der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfe eingehend geprüft. Dabei haben sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass sich Herr Dr. Wiedeking oder Herr Härter der Marktmanipulation schuldig gemacht haben,“ heißt es von Porsche.

Marktmanipulation liegt laut Wertpapierhandelsgesetz (WPHG) unter anderem dann vor, wenn "unrichtige oder irreführende Angaben" gemacht werden, welche den Aktienkurs beeinflussen könnten.

Eine offizielle Äußerung von Porsche am 25. September 2005 könnte sich nun als eine solche „irreführende Angabe“ entpuppen.

An diesem Tag hatte Porsche den Einstieg bei VW bekanntgegeben. In einer Pressemitteilung versicherte das Unternehmen: Die Beteiligung werde „auf keinen Fall“ die Schwelle erreichen, bei der Porsche ein öffentliches Angebot zur Übernahme von Volkswagen abgeben müsse.

Diese Schwelle liegt bei 30 Prozent. Eineinhalb Jahre später entschied Porsche, doch die Schwelle von 30 Prozent zu überschreiten.

Wie aus einem Schreiben von Porsche hervorgeht, hat das Unternehmen damit jedoch keinen plötzlichen Sinneswandel vollzogen. Vielmehr spielte Porsche schon vor und während des Einstiegs im Jahr 2005 eine vollständige Übernahme von VW durch.

Deshalb könnte das Unternehmen mit der damaligen Erklärung, mit der Beteiligung an VW „in keinem Fall“ über 30 Prozent zu gehen, den Kapitalmarkt manipuliert haben.

Das Schreiben, in dem sich der Hinweis auf die frühzeitigen Überlegungen von Porsche findet, stammt vom 24. November 2009 und wurde von Porsche-Justiziar Konrad Wartenberg unterzeichnet.

In dem Papier, das der WirtschaftsWoche vorliegt, heißt es wörtlich: „Bereits vor dem Einstieg bei VW hatte die Porsche SE diverse Szenarien für den Beteiligungserwerb (…) geprüft. Zu diesen Szenarien gehörte u.a. der Erwerb einer Sperrminorität, (…) das Überschreiten der 50%-Schwelle, (…) der Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages zwischen Porsche SE und VW, bis hin zu einem Squeeze-out. Auch nach dem Einstieg bei VW im September 2005 wurden die verschiedenen Szenarien fortlaufend überprüft.“

Nach Einschätzung des Wirtschaftsrechtlers Thomas Möllers, Professor an der Universität Augsburg und Experte für Fragen der Marktmanipulation, legen die Widersprüche zwischen den Angaben des Porsche-Justiziars und der Äußerung aus dem Jahr 2005 "tatsächlich den Verdacht nahe, dass der Markt manipuliert wurde."

Für die ermittelnden Staatsanwälte, so Möllers, "müssten diese Angaben von hoher Bedeutung sein, da ein vorsätzlicher Verstoß gemäß § 20 a WPHG im Sinne einer unrichtigen und irreführenden Angabe plausibel erscheint."

Porsche weist wie zu erwarten den Vorwurf der Marktmanipulation zurück

„Die Aussage, wonach die Beteiligung auf keinen Fall die Schwelle erreicht, bei der Porsche ein öffentliches Angebot zur Übernahme von Volkswagen abgeben müsste, steht nicht im Widerspruch dazu, dass Porsche bereits vor dem Einstieg bei VW diverse Szenarien für den Beteiligungserwerb geprüft hat“, heißt es in einer Stellungnahme aus Stuttgart.

Am 25. September 2005 hättten Vorstand und Aufsichtsrat der Porsche AG entschieden, dass sich die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG mit rund 20 Prozent des stimmberechtigten Kapitals an der Volkswagen AG beteiligen werde. „Inhalt der Beschlüsse war es, dass die Beteiligung auf keinen Fall die Schwelle erreichen durfte, bei der Porsche ein öffentliches Angebot zur Übernahme von Volkswagen hätte abgeben müssen.

Die Pressemitteilung vom 25. September 2005 gab somit die seinerzeitige Beschlusslage und Absichten zutreffend wieder. Sie steht auch nicht im Widerspruch zu der Tatsache, dass Porsche bereits vor dem Einstieg bei VW diverse Szenarien für den Beteiligungserwerb geprüft hatte und dies auch danach fortlaufend getan hat.

Es gehört zum pflichtgemäßen unternehmerischen Vorgehen, dass mögliche unternehmerische Strategien geprüft werden“, argumentiert der Sprecher von Porsche SE. Für Schadensersatzansprüche gegen Porsche wegen angeblicher Marktmanipulation gebe es deshalb „keine Grundlage“.   

Sollten Wiedeking und Härter allerdings eine Marktmanipulation nachgewiesen werden, könnten auf die Porsche SE und damit den neuen Eigentümer Volkswagen Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe zukommen.

Denn Privatanleger und Investmentfonds haben durch Kursturbulenzen, die durch die möglichen Manipulationen ausgelöst worden sein könnten, Milliarden Euro verloren.

Die Münchner Anwaltskanzlei CLLB vertritt gemeinsam mit einer internationalen Kanzlei „mehrere deutsche und ausländische institutionelle Anleger, die Ansprüche auf Ersatz in Milliardenhöhe haben“, wie CLLB-Anwalt Franz Braun gegenüber der WirtschaftsWoche bestätigte.

Weitere Kanzleien in Deutschland bereiten nach Informationen der WirtschaftsWoche Klagen in ähnlicher Höhe vor.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%