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Stahlbranche Rohstoffmonopoly provoziert Stahlarbeiter-Proteste

Die Stahlproduzenten und ihre Arbeitnehmer machen gemeinsam Front gegen die aggressive Preispolitik der großen Eisenerzlieferanten. Der Preis für Stahl könnte sich verdoppelt, Gewerkschaften sehen Zehntausende Arbeitsplätze bedroht.

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Mehrere tausend Stahlarbeiter Quelle: dpa

Explodierende Rohstoffkosten haben die deutschen Stahlarbeiter auf die Straße getrieben. Nach Gewerkschaftsangaben demonstrierten gestern über 13.000 Beschäftigte der Branche in Duisburg, Brüssel, Hamburg und Potsdam gegen „Rohstoffkartelle und Finanzspekulanten“ und forderten ein hartes Durchgreifen der Politik. Allein in Duisburg demonstrierten laut IG Metall rund 10.000 Stahlarbeiter. Vor allem wegen der massiv anziehenden Preise für Eisenerz fürchten Verbände, Gewerkschaften und Belegschaften um die Zukunft der Stahlbranche in Deutschland. Ausnahmsweise vertreten bei diesem Thema Arbeitgeber und Arbeitnehmer ähnliche Positionen: Preissteigerungen bei Eisenerz von teilweise über 100 Prozent stellten ein unmittelbares Risiko für den Industriestandort dar, warnte der größte deutsche Stahlproduzent ThyssenKrupp Steel Europe. Im Duisburger ThyssenKrupp-Stahlwerk wurde die Produktion teilweise stillgelegt.

Ein Drittel der Industrie betroffen

Der brasilianische Eisenerz-Lieferant Vale konnte eine solche Preiserhöhung bereits durchsetzen. „Die extreme Verteuerung der Rohstoffe wird mehr als ein Drittel der industriellen Umsätze betreffen und jeden dritten Industriearbeitsplatz gefährden“, warnte der Gesamtbetriebsratschef des größten deutschen Stahlkonzerns ThyssenKrupp, Wilhelm Segerath. Rund 70 Prozent des Stahlpreises entfielen auf Rohstoffkosten. Deshalb drohe ein deutlicher Anstieg der Stahlpreise, sagte Segerath.

Die Forderungen nach höheren Preisen kommen von allen drei Erzproduzenten Vale, Rio Tinto und BHP Billiton, die zusammen über einen Marktanteil von rund 70 Prozent verfügen. Vale ist größter Lieferant des ThyssenKrupp-Konzerns, der rund zehn Millionen Tonnen seines jährlichen Eisenerz-Bedarfs von 16 Millionen Tonnen von dem brasilianischen Unternehmen bezieht. Da der nun ausgehandelte Vertrag nur noch eine Laufzeit von drei Monaten habe, denke ThyssenKrupp nun auch über eine Verkürzung seiner Stahl- Lieferverträge nach, so der Sprecher. Ein Arbeitsplatzabbau sei bei ThyssenKrupp derzeit jedoch nicht geplant.

Preiserhöhungen bei Stahlproduzenten

Die drei Eisenerzriesen wollen neben einer drastischen Preiserhöhung zudem die Laufzeit der Verträge von zwölf auf drei Monate verkürzen. Damit könnten sie die Abschlüsse vierteljährlich in die Höhe schrauben. Vale verlangt nach einem jüngst mit ThyssenKrupp vereinbarten Abschluss je nach Erzqualität zum Teil mehr als das Doppelte. Die Vereinbarung gelte für das am 1. April begonnene Quartal, sagte ein Sprecher der ThyssenKrupp-Stahlsparte. Nach der jüngsten Anhebung der Stahlpreise Anfang April werde zum 1. Juli bereits über eine neue Stahlpreisrunde nachgedacht. Nähere Angaben zur Höhe der geplanten Preisanhebungen machte das Unternehmen nicht. Auch der Chef des zweitgrößten deutschen Stahlkonzerns Salzgitter, Wolfgang Leese, hatte in dieser Woche Preiserhöhungen angekündigt.

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