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Stahlkonzern ThyssenKrupp speckt ab

Der neue Vorstandschef Heinrich Hiesinger arbeitet an einer neuen Strategie für den Konzern. Er lässt auch durchblicken, welche Gesellschaften ihm im unübersichtlichen Mischkonzern überflüssig erscheinen.

Ein Arbeiter von ThyssenKrupp Quelle: dapd

Heinrich Hiesinger ist erst seit Januar Vorstandschef von ThyssenKrupp. Die ersten Monate seiner Amtszeit wollte er sich der gründlichen Analyse des Konzerns widmen, der sein Hauptgewicht in der Stahlherstellung hat, aber auch noch über weitreichende Aktivitäten in der Automobilzulieferung und bei der Herstellung von Fahrstühlen und Rolltreppen für Bahnhöfe, Kaufhäuser und Einkaufszentren verfügt. Nun wurde bekannt, dass Hiesinger das Spezial-Baugeschäft für die Hafenlogistik loswerden will.

Einschnitte bei der Automobilzulieferung

Käufer werden sich so schnell nicht finden, der Geschäftsbereich ist zu unübersichtlich und eigentlich nicht groß genug, um gegen die großen Baukonzerne dieser Welt anzukommen. Hiesinger dürfte es gar nicht recht sein, dass seine ersten Abspeck-Phantasien für ThyssenKrupp nun jetzt schon ans Tageslicht kamen. Denn eigentlich erst im Sommer wollte er mit einer großen Präsentation seiner Zukunftspläne, der Neuausrichtung von ThyssenKrupp, an die Öffentlichkeit gehen und die Aktionäre informieren.

Baugeschäfte machen den Braten da nicht fett. Die großen Einschnitte kommen bei ThyssenKrupp woanders: Bei der Automobilzulieferung zum Beispiel, die insgesamt auf dem Prüfstand steht. Zwar wollte der Hiesinger-Vorgänger Ekkehard Schulz bisher das Powertrain-Geschäft, Kurbelwellen und Lenksäulen, für den Konzern erhalten. Doch ob es bei dieser Einschränkung bleibt, ist noch ungewiss.

Auch beim Stahl hat die Konzernleitung immer wieder versucht, tiefgreifende Änderungen zu bewirken, wusste aber nicht wie. So sollte im vergangenen Jahr der Edelstahlbereich in Europa mal auf Partnersuche gehen, mal verkauft werden. Beschlossen wurde bisher noch nichts. Es fehlen geeignete Interessenten, ein finnisches Unternehmen winkte bereits ab und fiel als denkbarer Partner aus.

Die Aktionäre sind ungeduldig

Auch den Weg von Lakshmi Mittal wollten die Kruppianer bisher nicht gehen. Mittal lagerte bei ArcelorMittal den Edelstahlbereich zumindest in eine eigene Gesellschaft aus, um Joint-ventures und unternehmerische Zusammenschlüsse zu erleichtern. Diesen Weg könnte ThyssenKrupp auch gehen, mutmaßen Beobachter.

Ob es Hiesinger gelingt, seinen sehr ruhig durchdachten Zeitplan einzuhalten, bleibt mehr als fraglich. Bis Sommer ist es noch lange. Aktionäre, aber auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, sind ungeduldiger als man es intern in der neuen Konzernzentrale von ThyssenKrupp in Essen glauben mag.

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