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Standort Deutschland Die Krise an der Küste wird zur Gefahr

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Öllager im Hafen von Quelle: dpa

Wie ernst es dem Wirtschaftsministerium mit dem Nordsee-Bündnis ist, zeigt der Kampf um den Duisburger Hafen. Seit die Bundesregierung angekündigt hat, ihren Drittelanteil an der Hafengesellschaft Duisport zu verkaufen, tobt ein Kampf um das logistische Filetstück. Rotterdams Hafenchef Hans Smits will die Duisport-Anteile übernehmen, den Binnenhafen zur Drehschreibe ausbauen und so „Marktanteile hinzugewinnen“ – gerne zusammen mit Antwerpen. Das Ministerium ist der Idee nicht abgeneigt.

Dagegen äußert der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe „massive Bedenken“. Die Häfen Rotterdam und Antwerpen hätten dann die Möglichkeit, zugunsten ihrer privaten Hafenunternehmen „Ladungslenkung in die Westhäfen zu unterstützen“, heißt es in einem Brief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Im Klartext: Rotterdam und Antwerpen könnten die Waren, die in ihren Häfen ankommen, über Duisburg besser als bisher nach Süd- und Osteuropa verteilen.

Ohne Elbvertiefung keine großen Schiffe für Hamburg

Der Hamburger Hafen könnte Geschäft verlieren und geriete in die Defensive, zumal er noch nicht einmal sein drängendstes Dauerproblem gelöst hat: die Elbvertiefung. Sie könnte sich bis weit nach 2014 verzögern, da das Land Niedersachsen als Elbanrainer dem wichtigen Projekt immer noch nicht zugestimmt hat.

Bis dahin können die neuen Riesenschiffe Hamburg nicht vollbeladen anlaufen, wohl aber Rotterdam. Allein Marktführer Maersk hat zehn Schiffe geordert, die 18 000 Container fassen, 20 Prozent mehr als die derzeit fahrenden Großschiffe. „Ohne Elbvertiefung fällt der Hamburger Hafen für das Wachstum der ganz großen Containerschiffe aus“, sagt Thorsten Blecker, Logistikprofessor an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. 

Infrastruktur ist Gefahr für deutsche Logistik

Für den Ausbau der Schienenverbindung zwischen Hannover, Bremen und Hamburg, wegen ihrer Form Y-Trasse genannt, fehlt ebenfalls Geld. „Wir brauchen Investitionen in die Infrastruktur“, fordert Sebastian Jürgens, Vorstand des Hamburger Hafenlogistikers HHLA. Die Y-Trasse sei „die Elbvertiefung des Hinterlandes“. Ohne Ausbau „gefährdet Deutschland seine Führungsposition in der Logistik“.

In Kürze droht auch Konkurrenz vom Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. Der einzige Tiefwasserhafen Deutschlands wird im August 2012 eröffnet. Im extremsten Fall stammen mehr als die Hälfte aller Güter dort „aus den Marktpotenzialen des Hamburger Hafens“, so eine Studie des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen. Bis 2017 verliere Hamburg dadurch circa zwei Millionen Standardcontainer. Erst dann könne der Hafen „wieder direkt vom Marktwachstum profitieren“.

Auch in einer Umfrage der Hamburger Beratung MWP zum kombinierten Transport von Containern per Schiff, Bahn und Lkw schneidet die Hansestadt nicht mehr uneingeschränkt positiv ab. Branchenvertreter bewerten die Wachstumschancen von Rotterdam und Antwerpen mit 42 beziehungsweise 33 Prozent als „sehr hoch“. Hamburg und Bremen sieht nur knapp jeder Zehnte vorne.

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