WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Standort Deutschland Die Krise an der Küste wird zur Gefahr

Seite 3/5

Puma-Schuh mit weißem Formstrip

Die Terminalbetreiber haben den Nachholbedarf erkannt. Hinterlandanbindung heißt das Schlüsselwort. Fernab der Seehäfen wollen HHLA und der Bremer Wettbewerber Eurogate in einem Joint Venture bundesweit Terminals errichten. Die Idee: Containerzüge verbinden die Häfen im täglichen Taktverkehr mit Verteilerzentren im Landesinnern. Die börsennotierte HHLA setzt solch einen Shuttle-Service schon im Ausland ein. So konnte der Konzern Großkunden wie Einzelhändler Deichmann gewinnen, der pro Jahr mehr als 20 Millionen Schuhe ins slowakische Dunajská schicken lässt. „Derzeit entwickeln wir die ersten Projekte“, sagt HHLA-Vorstand Jürgens mit Blick auf das Joint Venture. „In ganz Deutschland könnten es am Ende fünf bis zehn werden.“

So wandeln sich die Terminalbetreiber zu Kontraktlogistikern, die für ihre Industriekundschaft komplette logistische Prozesse übernehmen. Der Bremer Eurogate-Gesellschafter BLG hat Bremerhaven zum größten Autohafen der Welt entwickelt. Dort werden Fahrzeuge nicht nur für den Export und Import verladen, sondern auch umgerüstet – nach Wünschen der Kunden und den technischen Anforderungen der Länder, in denen sie schließlich landen.

Gemeinsam gegen Rotterdam

Im Herbst 2008 gründete BLG-Chef Detthold Aden die BLG Auto Rail. Seither verfügen die Bremer auch über Autozüge. „Bis 2013 werden wir rund 1300 Waggons haben und 25 Autozüge pro Tag auf die Reise schicken“, sagt Aden. Sie bringen nicht nur Autos von Bremerhaven in osteuropäische Autohäuser, sondern auch Fahrzeuge aus den osteuropäischen Fabriken asiatischer Konzerne zu westeuropäischen Händlern. Im brandenburgischen Falkenberg kauft BLG Auto Rail gerade einen Rangierbahnhof, der als Drehscheibe dienen soll für die Züge zwischen West- und Osteuropa.

Die Erfahrungen aus dem Autogeschäft nutzt Aden, um die Kontraktlogistik auszubauen. „Das ist das Feld, in das wir besonders stark hineinwollen“, sagt er. So übernimmt BLG für Ikea oder Konica Minolta die Logistik. Für Tchibo organisiert BLG die Verteilung der Waren, die übers Internet bestellt werden. Ein neues Geschäft wittert Aden in der Offshore-Logistik – ein Wachstumsbereich, in den auch andere Hafenunternehmen drängen.

Reedereien droht Ausverkauf

Über mangelndes Umsatzwachstum können sich Deutschlands Reeder derzeit kaum beschweren. Deutschlands Vorzeige-Linie Hapag-Lloyd feierte 2010 gar ein Comeback. Die mit Unterstützung des Hamburger Senats und privater Investoren wie dem Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne in der Hansestadt gehaltene Reederei verdiente unterm Strich 428 Millionen Euro  — Rekord. 2011 ging es so weiter, der Umsatz wuchs zweistellig. Doch für die nächsten Monate dämpfte Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt die Erwartungen. Der hohe Ölpreis, der schwache Dollar und verschärfter Wettbewerb erschwerten das Geschäft. Reedereien rechnen in Dollar ab, ein niedriger Dollar-Kurs schmälert bei der Umrechnung in Euro die Erlöse. Ziel müsse es sein, so Behrendt, die Belastungen durch höhere Frachtraten auszugleichen. Doch darauf kann kein Reeder in dem stark volatilen Markt zählen, zumal mehr neue Schiffe auf den Markt kommen, als gebraucht werden.

2011 könnten die Reedereien gar wieder ins Minus rutschen. Denn die Frachtraten stehen seit Jahresanfang erneut unter Druck. Laut der dänischen Beratung Sea-Intel verdienen Reedereien auf den wichtigen Strecken von Europa nach Asien — dem Stammgeschäft von Hapag-Lloyd — auf Basis der April-Zahlen rund 380 Dollar pro Standardcontainer zu wenig, um alle Betriebskosten zu decken. Hält der Trend an, gehen den Top Ten der Branche 2011 rund 13 Milliarden Dollar Umsatz verloren. „Dies würde allen Carriern negative Ergebnisse bescheren“, warnt SeaIntel.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%