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Steuerflucht Virtueller Pranger für Steuersünder

Jetzt trifft der Skandal auch Kunden der Bank Julius Bär. Ihre Daten stehen aber nicht auf einer CD, sondern im Internet.

Das Logo der Julius Bär Quelle: dpa

Ein bekannter Künstler ist mit von der Partie, ebenso ein angesehener Jurist und ein süddeutscher Architekt. Gemeinsam mit Dutzenden Anlegern aus aller Welt werden sie seit einigen Wochen auf der Internet-Seite „Wiki-leaks“ der Steuerhinterziehung bezichtigt. Die Verdächtigen, offenbar millionenschwere Kunden der Schweizer Privatbank Julius Bär, sollen ihr Vermögen auf die Cayman Islands transferiert und dort in „Trusts“ versteckt haben. Das sind die karibischen Pendants der Stiftungen in Liechtenstein, mit deren Hilfe der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel den Staat geprellt haben soll.

Die anonymen Anschuldigungen sind gespickt mit Hunderten Dokumenten, die detaillierte Angaben zu Zahlungsströmen, Trust-Strukturen und sogar Gebühren enthalten – alles frei einsehbar für jedermann. Mit diesen weltweit abrufbaren Daten wächst der Steuerskandal, der vor zwei Wochen mit der Razzia bei Zumwinkel begann, in eine neue Dimension. Der Traum aller Steuerfahnder scheint wahr zu werden: Daten aus Steuerparadiesen bequem und kostenfrei am PC einzusehen, ohne dass nervige Verhandlungen mit dubiosen Informanten oder Durchsuchungen nötig würden.

Allerdings sind nicht nicht alle Angaben auf Wikileaks korrekt, nach Recherchen der WirtschaftsWoche dürften unter den Verpfiffenen auch Unschuldige sein.

„Teilweise gefälscht“ seien die Daten, sagt Martin Somogyi, Sprecher der Bank Julius Bär in Zürich. Das lässt allerdings den Umkehrschluss zu, dass ein Teil der Daten echt ist. In einer späteren schriftlichen Stellungnahme teilte Somogyi mit, die Unterstellungen im Internet würden „auf gefälschten und gestohlenen Daten“ basieren. Doch welche sind gefälscht und welche gestohlen?

Unbestritten ist, dass beim Julius-Bär-Ableger auf den Cayman Islands bis 2003 umfangreiche Datenbestände abhanden kamen. Die deutschen Finanzbehörden halten sich in dieser Sache bedeckt: Die für die Liechtenstein-Fälle zuständige Staatsanwaltschaft Bochum sowie mehrere Oberfinanzdirektionen wollten keine Stellungnahme abgeben.

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