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Steve Jobs' Stanford-Rede "Bleiben Sie hungrig. Bleiben sie verrückt"

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Meine biologische Mutter war eine junge, unverheiratete College-Absolventin, und sie beschloss, mich zur Adoption freizugeben. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, ich sollte von Leuten adoptiert werden, die einen College-Abschluss besaßen, und sie hatte alles in die Wege geleitet, damit ich bei meiner Geburt von einem Rechtsanwalt und seiner Frau adoptiert würde. Aber als ich auf die Welt kam, beschlossen diese Leute, dass sie doch lieber ein Mädchen wollten. So kam es, dass meine Eltern, die auf einer Warteliste standen, mitten in der Nacht einen Anruf erhielten: „Wir haben einen neugeborenen Jungen, wollen Sie ihn?“ Die Antwort war: „Natürlich.“ Meine biologische Mutter fand später heraus, dass meine Mutter nie ein College absolviert und mein Vater nicht einmal einen Highschool-Abschluss hatte. Sie weigerte sich, die Adoptionspapiere zu unterzeichnen. Erst Monate später, als meine Eltern versprochen hatten, dass ich später ein College besuchen würde, gab sie nach. 17 Jahre später besuchte ich tatsächlich ein College. Aber das war fast so teuer wie Stanford, und meine Ausbildung verschlang die ganzen Ersparnisse meiner aus der Arbeiterschicht stammenden Eltern. Nach sechs Monaten sah ich keinen Sinn mehr darin. Ich hatte keine Ahnung, was ich mit meinem Leben machen wollte und sah nicht, wie mir das Studium helfen sollte. Also beschloss ich abzubrechen und darauf zu vertrauen, dass ich meinen Weg finden würde. Für mich war dies ein Furcht erregender Schritt, aber im Rückblick eine meiner besten Entscheidungen. (...) Denn viel von dem, was mir, getrieben von Neugier und Intuition, auf meinem Weg begegnete, erwies sich später als unbezahlbar.

"Ich stand in der Öffentlichkeit als Versager da"

In meiner zweiten Geschichte geht es um Liebe und Verlust. Ich hatte Glück – ich stieß schon sehr früh auf die Arbeit, die ich liebe. Mit 20 gründete ich gemeinsam mit Woz in der Garage meiner Eltern Apple. Wir arbeiteten hart, und in zehn Jahren war unser Zweimannbetrieb aus der Garage zu einem Großunternehmen mit zwei Milliarden Dollar Umsatz und über 4000 Angestellten angewachsen. Wir hatten gerade unsere beste Entwicklung – den Macintosh – in Produktion gebracht, ich war gerade 30, da wurde ich gefeuert. Wie kann jemand von einem Unternehmen gefeuert werden, das er gegründet hat? Nun, als Apple größer wurde, stellten wir jemanden ein, von dem ich glaubte, er könne das Unternehmen gemeinsam mit mir führen. Das erste Jahr ging alles gut. Doch mit der Zeit entwickelten wir unterschiedliche Visionen und schließlich kam es zum Bruch. In diesem Streit stellte sich der Vorstand auf seine Seite. Also stand ich mit 30 wieder auf der Straße, unter den Augen der Öffentlichkeit. Alles was mir wichtig gewesen war, war weg.

Ich stand zudem in der Öffentlichkeit als Versager da und überlegte mir, ob ich dem Silicon Valley den Rücken kehren sollte. Aber dann wurde mir eines klar: Ich liebte diese Arbeit noch immer. Daran hatten die Entwicklungen bei Apple nichts geändert. Ich hatte einen Fehlschlag erlitten, aber die Sache selbst liebte ich noch immer. Also beschloss ich, von vorn anzufangen. ... Die Schwere des Erfolgs wurde abgelöst von der Leichtigkeit des Neubeginns. Die Dinge waren nicht mehr so fest gefügt und sicher. Ich war frei zum Aufbruch in eine der kreativsten Phasen meines Lebens.

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