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Strategiewechsel Bosch - vom Autozulieferer zum Umwelttechnikkonzern

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Fotovoltaik: Bosch zahlt über eine Milliarde Euro für den Solarzellenhersteller Ersol.

Dass diese Schlacht nicht nur über die Qualität gewonnen wurde, sondern auch mit einer cleveren Marketingstrategie, war mehr als ungewöhnlich für das technikgetriebene Unternehmen Bosch. Ungewohnt war auch die Dynamik, die die Tüftler vom Neckar bei den geplanten Billigautos an den Tag legten und die ihnen schließlich zum Geschäft verhalf.

Für das indische 1700-Euro-Auto Nano ließen die Bosch-Ingenieure etwa von ihrer bisherigen Jagd nach bester Technik ab und verlegten sich auf einfache, billige und zuverlässige Entwicklungen. Das Vorhaben scheint gelungen – Billigautos könnten zum neuen Wachstumssegment für Bosch werden.

Fehrenbach, der stets einen kleinen, schwarzroten BeQIK-Button am Revers trägt, sieht sich aber noch lange nicht am Ziel. Das Übergewicht der Autosparte, auf die 61 Prozent des Umsatzes entfällt, ist nach wie vor zu groß. Wie gefährlich das für das Unternehmen ist, zeigt die aktuelle Schwäche der Autoindustrie.

Ihre Absatzprobleme in Europa, USA und Japan sorgen dafür, dass Bosch im laufenden Geschäftsjahr die gesteckten Ziele verfehlen wird. „Das Ziel, den Konzernumsatz im laufenden Jahr um nominal fünf Prozent zu steigern, werden wir leider nicht erreichen“, sagt Fehrenbach im WirtschaftsWoche-Interview.

Die Linie für die Zukunft steht deshalb fest: Der Umsatzanteil der Kraftfahrzeugsparte soll auf 50 Prozent fallen, sagt der Bosch-Chef und warnt zugleich die Mitarbeiter: „Da der Automarkt weltweit stückzahlmäßig nur mit rund drei Prozent zulegen wird“, so Fehrenbach, „wird sich die Sparte Kraftfahrzeugtechnik richtig sputen müssen, um die Wachstumsziele zu erreichen und nicht unter 50 Prozent Anteil zu fallen.“

Allein mit organischem Wachstum der anderen Geschäftsfeldern wird Fehrenbach die Dominanz der Autosparte nicht schmälern können, sondern nur mit Zukäufen in den renditeträchtigeren Sparten Industrietechnik, Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik. Dafür liegen Milliarden bereit, wie aus dem Unternehmen zu hören ist. Eine „Vielzahl von Übernahmen“ werde geprüft.

Dabei verfolgt Fehrenbach ambitionierte Ziele. Bis 2012 soll der Bosch-Umsatz von heute gut 47 Milliarden auf 73 Milliarden Euro klettern. Dazu soll nicht nur der Boom der Umwelttechnologien beitragen, in denen Bosch bereits vertreten ist, zum Beispiel das Geschäft mit sparsamen Hausgeräten oder umweltfreundlicher Heiztechnik. Wachsen will. Als Dach für diese künftigen Aktivitäten ließ Fehrenbach einen Unternehmensbereich (im Bosch-Jargon: UB) mit dem geheimnisvollen Kürzel X einrichten. Seit der Übernahme des Erfurter Solarzellenherstellers Ersol gibt es kaum noch Zweifel, wofür UBX stehen wird, nämlich für den Bereich Energieerzeugung und erneuerbare Energien. „Das könnte durchaus sein“, räumt Fehrenbach ein. „Wir sehen große Wachstumspotenziale für dieses Geschäft und werden es weiter ausbauen.“ Nicht nur das: Die Energieerzeugung ist ein historischer Schritt für einen Konzern, der sich bisher fast ausschließlich um die Energieverwendung kümmerte.Fehrenbach auch in ganz neuen Cleantech-Bereichen, vor allem mit erneuerbaren Energien.

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