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Strom Gefährliche Preispolitik

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Indirekte aber schon: Hussmanns ist froh, eine Alu-Hütte wie die Essener Trimet in der Nähe zu haben – nicht nur wegen des Einkaufs von Flüssig-Aluminium: „Das gibt uns Flexibilität und erleichtert die gemeinsame Entwicklung.“ Die Alu-Rechnung geht für Fuchs ordentlich ins Geld. Das Meinerzhagener Unternehmen zahlt für den Rohstoff mehr als für Löhne und Gehälter.

Hinzu kommt: Fuchs braucht auch für seine eigene Produktion eine Menge Strom. Der Metallbauer liefert Fensterrahmen für die Luftfahrtindustrie, Profile für Autobauer und Bauwirtschaft, betreibt dazu Aluminium-Schmelzen, die derzeit noch mit Strom geheizt werden. Um die Abhängigkeit von elektrischer Energie zu verringern, investiert Fuchs in die Modernisierung seiner Gießereien und stellt diese von Strom auf Gas um.

Das ist auch nötig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Fuchs-Aluprofile werden auch an den badischen Bauzulieferer Hilzinger aus Willstätt am Rhein geliefert – vor allem für den Bau von Türen. Das 800-Personen-Unternehmen kauft aber auch international ein. „In Frankreich sind die Profile 10 bis 5 Prozent billiger“, sagt der gechäftsführende Gesellschafter Helmut Hilzinger, der jenseits des Rheins vier weitere Fertigungsstätten betreibt. Rund 30 Prozent vom Endpreis entfallen auf die Alu-Profilzulieferungen. Langfristig würden die steigenden Stromkosten der Erzeuger die Aluminiumpreise immer weiter nach oben treiben, befürchtet Hilzinger. Das Weiterreichen der höheren Kosten sei schwierig: „Wir haben unsere Lieferverträge oft lange vor Baubeginn geschlossen.“

Kaum merkbarer Effekt

Gelassenheit herrscht dagegen bei den Maschinenbauern. Für Deutschlands beschäftigungsstärkste Branche macht der unmittelbare Stromverbrauch nach Auskunft des Maschinenbauverbandes VDMA weniger als zwei Prozent des Umsatzes aus. Auch die indirekten Stromkosten als Bestandteil der Preise für energieträchtige Vorprodukte wie Aluminium- oder Edelstahlbleche, machen den Maschinenbauern keine Sorge.

Zwar stöhnen die Gießereien als wichtige Vorlieferanten über hohe Energiekosten – bei Eisengießereien sind es rund acht Prozent der Gesamtkosten. Die Auswirkungen für die Maschinenbauer sind aber gering, weil der Gussanteil bei ihnen selten mehr als zehn Prozent der Materialkosten ausmacht.

Ein typisches Beispiel dafür, wie wenig sich die Stromkostenbelastung der Rohstoffhersteller innerhalb lang gestaffelter Lieferketten auswirkt, ist der Waschanlagenhersteller Kannegiesser aus dem westfälischen Vlotho: Etwa 0,4 Prozent aller Kosten entfallen an den sechs Standorten auf den Stromverbrauch. Hinzu kommt der indirekte Stromverbrauch durch den Einkauf energieintensiver Materialien. Doch auch der ist gering: Der Einkauf von Vorprodukten aus Aluminium und Edelstahl etwa beziffert sich auf rund zehn Prozent des Umsatzes. Daraus errechnet sich ein indirekter Stromkostenanteil über alle Materialien beim Einkauf von maximal zwei Prozent. Kannegiesser-Einkaufschef Falk Mehrmann: „Selbst bei einer Erhöhung der Strompreise um 20 Prozent bleibt für uns kaum ein merkbarer Effekt.“

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