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Stromanbieter-Pleite Teldafax-Insolvenz könnte Bayer 04 Millionen kosten

Die Pleite des Stromanbieters Teldafax schlägt hohe Wellen. Während die Kunden im Regen stehen, sucht der Insolvenzverwalter nach möglichen Geldquellen. Fündig werden könnte er ausgerechnet bei Bayer 04 Leverkusen.

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Teldafax zahlte die Werbemillionen auch dann noch an den Fußballclub, als andere Gläubiger des Stromanbieters längst vergeblich auf ihr Geld warteten. Quelle: handelsblatt.com

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Ein gutes halbes Jahr lang tat der Fußball-Bundesligist Bayer 04 Leverkusen so, als gehe ihn das Drama um seinen Werbepartner Teldafax nichts an. Während die Staatsanwaltschaft bei dem Stromanbieter wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung ermittelte, und ein Geschäftpartner nach dem anderen über ausstehende Rechnungen klagte, kam von Bayer Leverkusen keine Reaktion. Ungerührt lief die Mannschaft Wochenende für Wochenende weiter im Trikot des Skandalunternehmens auf, wie selbstverständlich lockte Sportdirektor Rudi Völler weiter Kunden zu einen Stromanbieter, vor dem Verbraucherschützer längst warnten. Doch nun könnte die phlegmatisch Haltung der Bayer 04-Führung empfindliche Folgen haben. Insolvenzexperten rechnen mit Rückforderungen in Millionenhöhe.

„Der Fall ist ein Klassiker für das Insolvenzanfechtungsrecht“, sagt Daniel Bergner, Geschäftsführer des Verbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands. So sei gesetzlich geregelt, dass kein Gläubiger unmittelbar im Vorfeld eines Insolvenzantrags zu Lasten anderer Gläubiger befriedigt werden dürfe. Jeder Insolvenzverwalter sei verpflichtet, alle Zahlungen, die bis zu drei Monate vor dem Insolvenzantrag liegen, genau auf diesen Tatbestand zu prüfen und gegebenenfalls anzufechten. Bergner: „Das kommt häufig vor.“

Biner Bähr, der vorläufige Insolvenzverwalter von Teldafax, ließ gestern durch einen Sprecher erklären, er werde den Fall Bayer 04 sorgfältig prüfen. Dies dürfte ihm leicht fallen. Pro Saison zahlte Teldafax sechs Millionen Euro an Bayer 04. Wolfgang Holzhäuser, der Geschäftsführer des Bundesligisten, betonte in den vergangenen Wochen immer wieder, dass er an seinem Sponsor nichts zu beanstanden habe. Das Unternehmen sei seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber Bayer 04 stets nachgekommen.

Was Leverkusen zum Verhängnis werden könnte

Genau dies dürfte Bayer 04 nun zum Verhängnis werden. Denn Teldafax zahlte die Werbemillionen auch dann noch an den Fußballclub, als andere Gläubiger des Stromanbieters längst vergeblich auf ihr Geld warteten. Nicht zuletzt sind es tausende von Kunden, die Teldafax im voraus bezahlten und teils seit Monaten die Auszahlung ihrer Guthaben anmahnen. Mitarbeiter von Teldafax geben an, Kundenpost sei zuletzt massenhaft ungeöffnet im Schredder gelandet. Bayer Leverkusen dagegen erhielt noch vor kurzem die letzte Rate aus der Saison 2010/11 ausgezahlt - 1,6 Millionen Euro.

Für Insolvenzspezialisten sind solche Sonderbehandlungen ein rotes Tuch. „Es geht um den Vorsatz der Gläubigerbenachteiligung“, sagt der Anwalt und Insolvenzspezialist Klaus Kollbach. Wenn ein Unternehmen einen bestimmten Gläubiger noch auszahle, obwohl es eigentlich zahlungsunfähig sei und wenn dem Gläubiger dies bekannt sei, sei die Zahlung anfechtbar. Dabei reicht es laut Paragraf 130 der Insolvenzordnung aus, wenn der Schuldner „Kenntnis von Umständen hat, die zwingend auf die Zahlungsunfähigkeit schließen lassen.“

Da landeweit in den Medien dokumentiert war, dass Teldafax seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkam und die Staatsanwaltschaft bereits wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung ermittelte, kann Bayer 04 Leverkusen kaum bestreiten, die gravierenden Schwierigkeiten seines Werbepartners gekannt zu haben. Im Gegenteil: Bayer löste den Vertrag mit Teldafax Anfang Juni vorzeitig auf. „Die Nachrichten machen uns nicht glücklich“, sagte Wolfgang Holzhäuser auf die Frage der „Bild“, ob die Negativschlagzeilen zu Teldafax dem Verein nicht schadeten. Bayer-Sprecher Meinolf Sprink betonte aber zugleich: „Teldafax war stets ein zuverlässiger Partner.“

Da Teldafax aber für viele andere Geschäftspartner und seine Kunden unzuverlässig war, dürfte Bayer 04 nun die Konsequenzen tragen. Dass der Fußballverein nicht früher gehandelt hat, trifft ihn heute doppelt. Bayer 04 muss derzeit nach einem neuen Sponsor suchen und gleichzeitig das Geld seines alten Sponsors zurücklegen. Laut Gesetz hat der Insolvenzverwalter für eine Anfechtung zwei Jahre Zeit.

Bayer 04 wollte sich zu ein möglichen Rückforderungen der Teldafax-Werbemillionen durch den Insolvenzverwalter gestern nicht äußern. Sprecher Sprink sagte lediglich: Bayer 04 Leverkusen wird über Vertragsinhalte keine Auskunft geben.“

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