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Stromkonzerne Was der Atomausstieg den Energiekonzernen bringt

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Tuomo Hatakka Quelle: REUTERS

Um diesen Verlust auszugleichen, kann der Konzern in seiner gegenwärtigen Verfassung kaum auf Auslandsgeschäfte hoffen. Wegen der Zentrierung auf Deutschland werden die Essener deshalb vor allem in erneuerbare Energien investieren müssen. Dabei werden sie jedoch auf staatliche Rückendeckung möglicherweise bis hin zu garantierten Strompreisen angewiesen sein, wie sie der RWE-Vorstand für erneuerbare Energien, Fritz Vahrenholt, skizziert. RWE investiert jährlich eine Milliarde Euro in grüne Stromerzeugung. Für weitere Unterstützung aus Berlin stehen die Chancen jedoch schlecht, seit Vorstandschef Großmann eine Klage gegen das Atommoratorium der Bundesregierung angekündigt hat.

Sollten Großmann und mit ihm sein Chefstratege Birnbaum auf Druck der kommunalen Aktionäre weichen müssen, wäre die Stunde von RWE-Vorstand Rolf-Martin Schmitz gekommen, der das deutsche Vertriebsgeschäft leitet. Schmitz ist auch Präsident des BDEW, des Verbandes der deutschen Stromindustrie. Der mächtige Lobbyistenclub sprach sich vor zehn Tagen für den raschen Ausstieg aus der Kernenergie aus. Dieser Beschluss war auf Drängen der Stadtwerke zustande gekommen, die bei Schmitz auf offene Ohren stoßen. Schmitz war Chef eines großen Stadtwerkes, der Rheinenergie in Köln. Dieses Stadtwerk könnte für ihn zum Vorbild werden – als Konzern, der vor allem im Vertrieb mit Strom sein Geld verdient – von woher auch immer.

Vattenfall: Vor dem Abschied

Johannes Teyssen Quelle: dpa

Der schwedische Versorger produziert unter Europa-Chef Tuomo Hatakka 47 Prozent seines Stroms aus Braunkohle und benötigt wie RWE künftig teure Emissionszertifikate. Die beiden Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel stehen seit Juli 2007 still und finden in der Politik keine Unterstützung mehr. Hinzu kommen Probleme der Konzernzentrale. Die Rendite stimmt durch Fehleinkäufe nicht mehr. Der niederländische Stromkonzern Nuon etwa wurde zu teuer eingekauft.

Deshalb steht jetzt die gesamte Mitteleuropa-Strategie auf dem Prüfstand: Kraftwerke in Polen werden bereits verkauft. Europa-Chef Tuomo Hatakka beklagt, wo er nur kann, die Schwierigkeiten, am Standort Deutschland noch Kohlekraftwerke zu bauen. Da sei es nur eine Frage der Zeit, dass die Schweden mit ihrem Staatskonzern Vattenfall den deutschen Markt „ganz verlassen“, vermutet ein Energieanalyst.

„Der Aufbau neuer Energiestrukturen wird tief in alle Lebensbereiche eingreifen“, sagte E.On-Chef Johannes Teyssen kürzlich. Der Düsseldorfer Versorger ist gegenüber RWE im Vorteil. Seine im Ausland installierte Kraftwerksleistung liegt bei 38.900 Megawatt, die in Zentraleuropa bei 23.000 Megawatt. Zwar bringt Deutschland 80 Prozent des Konzerngewinns. Doch die Basis für Wachstum jenseits der Grenzen ist viel breiter als bei RWE.

Mit ihrer Tochter E.On Russia etwa verfügen die Düsseldorfer über ein kräftiges Standbein in Sibirien, so schwierig das Kraftwerksgeschäft dort auch sein mag. E.On ist zudem in Skandinavien, in Schweden und Norwegen stark.

Dort legte das Geschäft im vergangenen Geschäftsjahr um 34 Prozent zu und spülte 4,5 Milliarden Euro in die Kasse, rund fünf Prozent des Gesamtumsatzes. Mit den Restanteilen des spanischen Endesa-Konzerns avancierte E.On sogar zum Stromproduzenten im abgeschotteten Frankreich.

E.On verfügt dort über vier Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 3300 Megawatt. Damit sind die Rheinländer in Frankreich größer als der dortige Versorger GdF Suez in Deutschland.

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