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Stromkonzerne Was der Atomausstieg den Energiekonzernen bringt

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Hans-Peter Villis Quelle: dpa

Von der Börse zunächst abgestraft, kann E.On-Chef Teyssen nun hoffen, mit seinen vor Japan geäußerten Expansionsplänen ins Ausland einen Fluchtweg aus der Kernenergie in Deutschland gefunden zu haben. Anders als RWE hat E.On keinen Großaktionär, der Wert auf den Standort Deutschland legen würde. Schon früher gab es bei E.On Pläne, die Zentrale von Düsseldorf nach Brüssel oder an einen anderen Ort in Europa zu verlegen.

Zwar werden solche Absichten vom E.On-Management vehement dementiert. Branchenkreise interpretieren den Verzicht Teyssens auf eine Klage gegen das Atommoratorium der Bundesregierung jedoch als „letzten Versuch“, mit Berlin auf Schmusekurs zu gehen. Dabei geht esTeyssen vor allem um ein möglichst langes Überleben der E.On-Atommeiler Brokdorf und Isar II. Beide gehören zu den jüngsten und am wenigsten störanfälligen AKWs Deutschlands. Brokdorf soll nach aktueller Rechtslage bis 2033, Isar II bis 2034 laufen.

EnBW: Grün oder hops

Der baden-württembergische Versorger ist am meisten von der Kernkraft abhängig. 51 Prozent des Stroms stammt vom Atom. EnBW-Chef Hans-Peter Villis will den Stromkonzern in Staatsbesitz streng auf erneuerbare Energien trimmen.

Doch erst einmal kommt es am 19. April zu einem Machtkampf, der eine Vorentscheidung für Villis bringt. Denn dann wird das künftig grün-rot regierte Land versuchen, als 45-prozentiger Miteigentümer einen Teil der elf strikten Atombefürworter aus dem mehrheitlich kommunalen Aktionärskreis im 20-köpfigen Aufsichtsrat abzuwählen. Gelingt dies nicht, bleibt es bei der Mehrheit für den Weiterbetrieb der Atommeiler Neckarwestheim II und Philippsburg II, deren Schwesterblöcke durch das Moratorium der Bundesregierung gerade abgeschaltet sind.

Villis steckt in einer Zwickmühle. Er will den Anteil grüner Energien bis 2020 verdoppeln, braucht dazu aber schätzungsweise 16 Milliarden Euro, die er wohl nur durch den Weiterbetrieb der AKWs erwirtschaften kann. Misslingt dies, dürfte EnBW in Einzelteile zerfallen. Ende der Neunzigerjahre war das Gebilde durch den Zusammenschluss badischer und württembergischer Stadtwerke entstanden. Um nur Kohle- und Wasserkraftwerke zu betreiben, bräuchte es keinen integrierten Konzern mehr.

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