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Swatch-Chef Nick Hayek im Interview "Uhren sind Kultur"

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Aber Ihre Gewinne fallen auch.

Unsere Profitabilität muss auch nicht immer über 20 Prozent vom Nettoumsatz liegen wie in den letzten Jahren. Wir können auch gut weiterleben, wenn es nur 13 oder 14 Prozent sind. Unsere Gruppe ist kerngesund. Sie hat keine Schulden, aber viel Liquidität und ein großes Eigenkapital. Ich bin überzeugt, die Uhrenindustrie wird schnell wieder zum gesunden Wachstum zurückkehren.

Und das gilt für alle Branchen, die dem Luxus zugeordnet werden?

Das weiß ich nicht. Aber wahrscheinlich wird es die Modebranche schwerer haben, auch die Modemarken, die Uhren herstellen lassen und mit ihrer Marke versehen. Da werden die Menschen sich schon fragen, ob sie die kaufen müssen.

Ihr Optimismus in allen Ehren, aber Luxus, Boni-Banker, das wird jetzt alles in einen Topf geworfen. Haben Luxusuhren nicht ein Imageproblem?

Eine Uhr zu besitzen ist kein Luxus. Natürlich ist es ein Luxus, eine sehr teure Uhr zu tragen, aber der Wert ist durch die Arbeit dahinter gerechtfertigt. An einer Breguet zum Beispiel können Uhrmacher zwölf Monate oder mehr arbeiten, bis sie fertig ist. Es gibt aber auch einige Luxusuhrenmarken, bei denen es außer Geld und Diamanten keinen echten Wert gibt. Es sind reine Marketingprodukte. Die werden es jetzt schwerer haben. Es wird eine gesunde Bereinigung geben. Uhren sind in vielen Ländern ein Teil der Kultur, aber nicht überall. In den USA etwa ein bisschen weniger, da ist man eher oberflächlich, was Marken betrifft. Aber für den Rest der Welt ist die Swiss-made-Uhr etwas sehr Wertvolles, Persönliches. Das gilt auch vor allem in Russland, in Indien oder China und in Europa sowieso.

Dann können Sie Rückgänge in einigen Märkten ausgleichen mit Steigerungen in anderen?

Ja, darum sind wir auch weltweit sehr gut aufgestellt. Unsere Marken Breguet, Blancpain, Omega, Longines, Tissot oder Swatch sind weltweit anerkannt und beliebt.

Liegen die Probleme für eine Gruppe wie der Swatch Group nicht eher in der Mitte, bei Menschen, die sich überlegen, statt auf den Urlaub lieber auf die Uhr zu verzichten, mit der sie geliebäugelt haben?

Für unsere Marken werden sie auf den Urlaub verzichten!

Sagen Sie. Aber diese Kundschaft wird weniger kaufen.

Was soll ich Ihnen sagen? Der Endkonsument kauft weiterhin. Aber der Händler ist im Moment der, der bremst.

Auch in schwierigen Märkten wie Russland, wo viele Menschen viel Geld verloren haben?

Ich glaube, in den USA haben die Leute mehr Geld verloren. Wir haben in Russland 30 Swatch-Läden, eine Breguet-Botique, mehrere Omega-Geschäfte sowie je eine Boutique für Blancpain und Jaquet Droz, und wir schreiben Rekordverkäufe wie nie zuvor. Bei den Russen kommt nach dem Wodka offensichtlich gleich die Swatch.

Werden wir auf der Baseler Messe bescheidenere Modelle sehen?

Ich bin mir sicher, dass wieder Substanz gefragt ist. Neben Schönheit wird technische Innovation wieder wichtiger sein. Für unsere Gruppe ändert sich nichts, denn das war und ist seit jeher unser Credo.

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