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Szenariotechnik Masterplan für unsichere Zeiten

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Der Shell-Konzern setzt mit Quelle: dpa

Auch Frank Ferchau, Chef des Ingenieurdienstleisters Ferchau Engineering in Gummersbach, will sich mit der Szenariotechnik besser auf die Unwägbarkeiten der Zukunft vorbereiten. „Seit Wochen und Monaten werden wir fast täglich von Veränderungen und Wendungen ins Positive wie ins Negative überrascht“, sagt der 44-Jährige. „Von unseren Entscheidungen hängen Arbeitsplätze und Lebensentwürfe ab. Deshalb müssen sie auf realistischen Einschätzungen basieren.“

Ferchaus Problem: Der Bedarf an Fachkräften und Entwicklungsdienstleistungen entwickelt sich in den einzelnen Branchen und Sparten sehr unterschiedlich. Die Kosten etwa bei Personal oder deren Weiterbildung wie mit dem Rasenmäher vorsorglich zu senken, kommt für ihn nicht infrage. „Natürlich muss ein Unternehmen seine Kostenstruktur an aktuelle Umsätze anpassen“, sagt Ferchau. „Daher haben wir in den letzten Wochen für jeden Bereich genaue Schwellenwerte festgelegt, die unsere Projektaufträge und Umsätze betreffen. Diese sind bis heute noch nicht erreicht.“

Drouven und Ferchau gehören eher zu den Ausnahmen. In vielen Chefetagen herrscht Verunsicherung: Erschlagen von Negativnachrichten, Parallelentwicklungen und schwer einzuordnenden globalen Zusammenhängen haben viele zu lange darauf gehofft, dass die Krise nur ein kurzfristiges Phänomen bleibt und erst mal abgewartet.

„Jetzt, wo die Krise immer größere Ausmaße annimmt, müssen diese Manager schnell handeln und verlassen sich dabei auf ihr Bauchgefühl“, sagt Hader. Und das sage ihnen: Das dicke Ende kommt erst noch. Aber mit Umsatzeinbrüchen von 60 Prozent oder mehr vorauszuplanen falle offenbar ähnlich schwer wie die Beschäftigung mit dem eigenem Tod und die Formulierung seines Testaments.

Renaissance für die Szenariotechnik

Hinzu kommt: Die Szenariotechnik hat als Managementmethode nicht den besten Ruf. Das ursprünglich für das Militär entwickelte Verfahren feierte in den Siebzigerjahren seinen ersten Hype, verlor dann aber an Reputation, weil viele der Prognosen, die damals aufgestellt wurden – etwa die des Club of Rome zu Energieverknappung und Umweltverschmutzung – kaum oder nicht in dem vorausgesagten Zeitfenster eintrafen. „Darunter leidet die Technik in Managerkreisen bis heute“, weiß Torsten Wulf, Professor für Strategisches Management und Organisation an der Handelshochschule Leipzig.

Zwar gibt es in vielen Unternehmen Szenarioexperten, die arbeiten aber überwiegend isoliert in den Bereichen Forschung und Wissenschaft, wo sie zu erwartende Technologiesprünge in sogenannten Roadmaps systematisch auflisten. Wulf: „Die meisten dieser Experten sind nicht am Tagesgeschehen beteiligt und haben deshalb häufig auch keinen direkten Draht zum Top-Management.“

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