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Szenariotechnik Masterplan für unsichere Zeiten

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Lego: Gut auf die Krise Quelle: AP

Mit der Krise und der Notwendigkeit, sich schnell auf tief greifende Veränderungen einstellen zu müssen, werde die Szenariotechnik aber eine Renaissance erleben, glaubt Wulf. Der Wissenschaftler baut zurzeit ein Zentrum für Szenariotechnik auf. Unterstützt von Berater Berger will Wulf die Einsatzmöglichkeiten der Technik intensiver erforschen, Studenten in der Anwendung unterrichten und eine Szenariobibliothek betreiben. „Weltweit beschäftigen sich Regierungen, öffentliche Organisationen und Unternehmen mit Zukunftsszenarien. Wir wollen die Ergebnisse solcher Studien, Informationen zur Szenarioentwicklung und einschlägige Datenbanken sammeln und Wissenschaft und Wirtschaft zugänglich machen.“

Wie Wulf ist auch Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, überzeugt: „Die Szenariotechnik wird zurzeit völlig unterschätzt. Gerade jetzt in der Krise kann dieses Instrument Unternehmenslenkern helfen, sich im Wirrwarr der unzähligen und sich ständig verändernden Parameter zurechtzufinden.“

Gemeint sind Parameter wie diese: Sinken oder steigen die Preise für bestimmte Rohstoffe? Gibt es Deflation oder Inflation? Greifen die staatlichen Konjunkturprogramme und wer sind die Gewinner? Welche Unternehmen oder Branchen bleiben auf der Strecke?

Fragen, mit denen sich auch der niederländisch-britische Ölkonzern Royal Dutch/Shell per Szenariotechnik auseinandersetzt. In der Zentrale in Den Haag informiert seit Jahrzehnten ein Stab von Wissenschaftlern das Top-Management weltweit über aktuelle und zukünftige denkbare gesellschaftliche, wirtschaftliche und vor allem energiepolitische Veränderungen.

Lego und Shell Vorreiter auf diesem Gebiet

Shell gilt unter Szenariotechnikern als Pionier. Schon in den Siebzigerjahren hatte der Konzern eine plötzliche Angebotsdrosselung am Rohölmarkt durchgespielt und wurde deshalb von der damaligen Ölkrise nicht unvorbereitet getroffen. Shell glänzte damals mit besseren Bilanzen als die Konkurrenz und lässt sich seither bei der Strategiefestlegung von Szenarien leiten.

Auch der dänische Spielzeughersteller Lego entwickelte Szenarien, um seine Budgetplanung 2009 abzusichern. Statt das gesamte Budget wie sonst üblich schon für das ganze Jahr zu verplanen, hielt Lego einen Teil als Puffer für Notfälle zurück. Damit hat das Management bei unvorhergesehenen Geschäftseinbrüchen Mittel zur Verfügung, um Sofortmaßnahmen einzuleiten.

Was tun, wenn uns ein Handelspartner wegbricht, mit dem wir 20 Prozent unseres Umsatzes gemacht haben, weil er Insolvenz anmeldet? Und was, wenn die Verbraucher beim Kauf vom Spielzeug plötzlich sparen? Für solche Fälle hat Lego mit Szenarien vorgesorgt. „Weil wir durch die globale Entwicklung gezwungen sind, noch stärker über unser Geschäft nachzudenken, bewerten wir Dinge neu und finden Alternativen“, sagt Dirk Engehausen, Geschäftsführer für Zentraleuropa.

Überdacht werden dabei zum Beispiel kostspielige Investitionen im Handel oder neue Marketingansätze. Engehausen: „Die Szenariotechnik nutzen wir seit einigen Jahren und werden das auch nach der Krise tun – dann aber weniger zur Abwehr von Risiken, sondern vor allem zur Früherkennung von Chancen.“ 

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