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Taxigewerbe New Yorker Taxi-Lizenzen sind die weltbeste Geldanlage

Bis zu 687.000 US-Dollar für eine Taxi-Lizenz: Die Preise für die Genehmigungen steigen in New York jährlich um bis rund acht Prozent. So eine Rendite gibt es nicht mal beim Gold. Woran das liegt und wie der Markt in Deutschland aussieht.

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Knapp 50.000 Taxen gibt es in Quelle: dpa

Lukrativer noch als Gold: Der Wert von Taxi-Lizenzen in New York City steigt seit Jahren, gemessen von 1980 bis 2011 um rund acht Prozent pro Jahr. Einen ähnlichen Wertzuwachs konnten weder Immobilien, noch Aktien oder der Goldpreis verzeichnen. Zahlten Interessenten im Jahr 1947 noch etwa 2500 US-Dollar für das "individual medallion" - einer kleinen Aluminium-Platte, die auf jedem Taxi angebracht sein muss - sind es im Juli 2011 bis zu 678.000 US-Dollar gewesen.

Der Grund: Die Lizenzen sind streng limitiert. Gleichzeitig sei die Nachfrage groß, erklärte Andrew Murstein, Vorsitzender des Medallion Financial Corp (TAXI), einem Unternehmen, das Kredite zum Erwerb von Taxilizenzen bereitstellt, gegenüber Bloomberg. Insbesondere Einwanderer würden in der Taxi-Lizenz den entscheidenden Schritt in ein neues Leben sehen.

Schließlich sind die gelben Fahrzeuge in New York sehr gefragt. 240 Millionen Fahrgäste beförderten Taxen im „Big Apple“ pro Jahr.

Eine ähnliche Preisentwicklung bei Taxi-Lizenzen gibt es in Hongkong: Auch hier sind Genehmigungen zur Personenbeförderung der Renner. Bis zu einer halben Million Euro sollen Interessenten dafür aufbringen müssen. Und die Preise steigen weiter.

"Am Rande der Wirtschaftlichkeit"

Summen, von denen deutsche Taxibetreiber nur träumen können. "Hier arbeiten viele Unternehmen am Rande der Wirtschaftlichkeit", klagt der Taxiverband Deutschland. An einen Handel mit Lizenzen - wie in den USA - ist nicht zu denken, denn der ist gesetzlich untersagt. Rechtmäßig dagegen ist die komplette Betriebsübernahme - dort ist die Lizenz dann ebenso wie die Fahrzeuge und die Technik bereits enthalten. Den Wert dieses Pakets bestimmt das mitverkaufte Taxi sowie der Ort, an dem die Lizenz gültig ist. Denn wie in den USA werden die sogenannten Konzessionen meist von örtlichen Genehmigungsbehörden begrenzt - und haben auf dieser Grundlage ihren eigenen Wert.

Lukrative Verkäufe der Betriebe sind damit vor allem in Gebieten denkbar, die keine hohe "Taxi-Dichte" pro Einwohner haben. Zum Vergleich: In Berlin gibt es, ebenso wie in Düsseldorf, keine von den Behörden festgelegte Obergrenze in Bezug auf die Anzahl der Taxen. Das Ergebnis: Auf ein Taxi in Berlin entfallen im Schnitt nur 484 Einwohner. Ein Überangebot. In Bremen dagegen - hier ist die Anzahl limitiert - kommen bereits 1165 Einwohner auf ein Taxi. Zudem sind Taxen in Deutschland aber auch im Hinblick auf die Fahrpreise einer Regulierung unterworfen. Als Teil des Öffentlichen Nahverkehrs verstanden, sind auch hier Behörden beteiligt und die Preise damit genehmigungspflichtig.

"Die Amerikaner sind ein Taxi-Volk"

Taxifahrer warten auf Quelle: dpa

Überdies ist der deutsche mit dem amerikanischen Markt kaum zu vergleichen: In den USA ist die Taxibranche geprägt von Konzernen, die oftmals eine ganze Flotte führen. In Deutschland dagegen dominiert das "Ein-Taxi-Unternehmen", der selbst fahrende Unternehmer. Von den insgesamt 22.418 Betrieben unterhalten 72 Prozent einen Wagen. Nur knapp 14 Prozent betreiben drei und mehr Fahrzeuge.

Insgesamt sind in Deutschland knapp 50.000 Taxen unterwegs. Die Zahl ist leicht rückläufig. "Die Amerikaner sind ein Taxi-Volk. In Deutschland dagegen geben viele Betriebe auf", sagt der Sprecher des Taxiverbandes Deutschland, Josef Mengeler. "Reich wird man mit einem Taxibetrieb hier nicht - im Gegenteil." Er verweist neben den vielen behördlichen Beschränkungen auf die gestiegenen Betriebskosten, die Wagen selbst, das Benzin, die Technik, und: einige Großkunden. Zu denen zählen etwa die Krankenkassen.

"Für viele Krankentransporte wurden zuletzt einige Verträge geschlossen, die die Kosten für einen Taxibetrieb kaum noch decken, so Josef Mengeler vom Taxiverband Deutschland. Ähnlich äußert sich der Vorsitzende des Landesverbands des Verkehrsgewerbes in Thüringen, Thilo Müller: "Oftmals gibt es keine Alternativen zu diesen Verträgen." Insbesondere auf dem Land, wo der klassische Taxidienst die Ausnahme ist, seien die Betriebe auf die sogenannten Verbrauchsfahrten angewiesen.

Insgesamt sei die Situation damit alles andere als goldig. Von einer guten Ertragslage könne im deutschen Taxigewerbe kaum die Rede sein, sagt Thilo Müller, "viele Taxifahrer müssen ihre Einkünfte sogar mit staatlichen Leistungen aufstocken".

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