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Telekommunikation Tipps zum Schutz vor Überwachung

Wie kann man geschützt vor Telefonspitzeln kommunizieren? Fünf Tipps für Manager und Privatleute mit Geheimhaltungsinteresse.

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Die Spähaktion bei der Quelle: dpa

„Abgehende Mailbox-Verbindungen“ stand, reichlich dubios, in den Telefonrechnungen einer Handvoll Mobilfunkkunden des Telefon-anbieters O2 – ein Gesprächstyp, der in Handynetzen im Normalfall gar nicht vorgesehen ist. Die Recherchen der Telefonkunden, was es mit den sonderbaren Anrufen auf sich habe, förderten im Herbst 2002 Erstaunliches zutage: Die Betroffenen waren von Polizei oder Geheimdiensten abgehört und die Verbindungen wegen einer Softwarepanne nicht nur in der Rechnung vermerkt, sondern den Kunden sogar noch in Rechnung gestellt worden. Derart blamabel offensichtlich sind Abhöraktionen selten. Und längst nicht immer werden die Lauscher von Polizei oder Geheimdiensten bezahlt. Heute gehört die Überwachung der Kommunikation längst zum Standardrepertoire von Wirtschaftsspionen oder sogar, wie der Fall Deutsche Telekom beweist, großen Konzernen. Wie kann man geschützt vor Telefonspitzeln sicher kommunizieren? Fünf Tipps für Manager oder Privatleute mit Geheimhaltungsinteresse.

1. Spuren vermeiden

Jeder Anruf hinterlässt Spuren. Sei es in der Telefonanlage des eigenen Arbeitgebers oder in der des Angerufenen. Wer sie vermeiden will, sollte vertrauliche Gespräche daher nicht vom Büroanschluss zu dem der Kontaktperson führen. Dort können Telefonate identifiziert werden. Besser ist, vom unverdächtigen Privatanschluss aus anzurufen – oder von einem Handy mit Prepaid-Karte. Am besten bei einem wirklich privaten Telefon seiner Zielperson. Denn Vorsicht: Viele Unternehmen stellen – wie die Telekom – Führungskräften „dienstliche Privatanschlüsse“ zur Verfügung, deren ankommende oder abgehende Gespräche protokolliert werden können.

2. Wirksam verstecken

Sie haben im Telefon eingestellt, dass Ihre Rufnummer dem Angerufenen nicht angezeigt wird – und bleiben unerkannt? Von wegen! Die Rufnummerunterdrückung ist eine Funktion im Telefonnetz, die nur beim Angerufenen wirksam wird. Und nicht einmal das geschieht in jedem Fall. Polizei oder Feuerwehren bekommen bei Notrufen die Rufnummern immer angezeigt – egal, was der Anrufer eingestellt hat. In den Netzen der Telefonunternehmen werden Ausgangs- und Zielrufnummern zu Abrechnungszwecken ohnehin gespeichert. Im Fall der Telekom wohl nicht nur dazu. Wer sich wirksamer verstecken will, nutzt wechselnde Handys unterschiedlicher Netzbetreiber.

3. Schatten abschütteln

Wer mit eingeschaltetem Handy unterwegs ist, hinterlässt eine Fährte im Mobilfunknetz, weil sich das Telefon fortgesetzt beim Netz an- und abmeldet, sobald es eine Funkzelle verlässt oder in den Empfangsbereich einer neuen kommt. Anhand dieser Daten können Sicherheitsbehörden, Netzbetreiber, aber auch externe Dienstleister Bewegungsprofile erstellen. Letztere dürfen das zwar nur mit Genehmigung des zu Überwachenden. Die aber holen sich manche Anbieter per SMS-Abfrage ein. Die kann auch ein Spitzel beantworten, wenn er im richtigen Augenblick Zugriff auf das Telefon hat – etwa weil es unbeobachtet auf dem Schreibtisch liegt. Abschütteln lässt sich der digitale Schatten nur, wenn Sie auf ständige Erreichbarkeit verzichten und das Handy nur für einzelne Anrufe oder zu festgelegten Zeiten einschalten. Wann Sie wo gewesen sind, bleibt dann – abgesehen von den Einschaltzeiten – im Dunkeln.

4. Gespräche verschlüsseln

Was bei hochrangigen Diplomaten Standard ist, Gespräche aus der Botschaft im Ausland mit der Zentrale nur über verschlüsselte Verbindungen zu führen, empfiehlt sich auch für Unternehmen und Privatleute, die bei sensiblen Gesprächsinhalten Wert auf unbelauschte Telefonate legen. Ihnen bieten Hersteller wie Cryptophone aus Berlin, Safe-com aus dem nordhessischen Lichtenfels oder Beaucom aus dem südbayrischen Taufkirchen Verschlüsselungssoftware oder auch komplette Mobil- oder Festnetztelefone mit eingebauter Sprachverschlüsselung. Preis der Sicherheit: Das kompakte Klapphandy CP G10i von Cryptophone gibt’s für gut 1900 Euro, das Paket aus einem Verschlüsselungshandy und dem Jahresabonnement für den Kryptografiedienst Babylon nG von Safe-com kostet 650 Euro. Voraussetzung für den wirkungsvollen Betrieb ist in beiden Fällen der paarweise Einsatz von Telefonen beziehungsweise der Software bei Anrufer und Angerufenem.

5. Gesunder Zweifel

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Doch wer besitzt schon Know-how und Technik, um selbst zu überprüfen, ob das eigene Büro abgehört wird oder das Hotelzimmer auf der fernöstlichen Geschäftsreise verwanzt ist? Wer jegliche Informationslöcher stopfen und sichergehen will, dass bei vertraulichen Gesprächen wirklich niemand mithört, der trifft sich mit seinen Gesprächspartnern am besten im Freien – und in lauten Umgebungen. Gegen das Rauschen des Verkehrs an einer Autobahn helfen den Spitzeln auch sensible Richtmikrofone nicht mehr viel weiter.

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