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Thailand Deutsche Unternehmen leiden unter den Folgen der Unruhen

Die politische Krise in Thailand wird immer mehr auch zur wirtschaftlichen Krise des Schwellenlandes. Deutsche Unternehmen leiden massiv unter den Folgen der Unruhen.

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Thailändische Soldaten Quelle: REUTERS

Mindestens vier Menschen waren vergangenen Mittwoch im Zentrum von Bangkok ums Leben gekommen, als ein Führer der sogenannten Rothemden die Kapitulation bekannt gab. Wochenlang hatten die Oppositionellen das Geschäftsviertel der Hauptstadt besetzt gehalten, jetzt hatte die Armee das Protestlager der Rothemden-Opposition mit Panzern erstürmt. Das Land hatte eine Art Bürgerkrieg erlebt, der insgesamt mehr als 40 Menschenleben kostete. Schon kurz nach der Kapitulation berichteten Feuerwehrleute, dass die Börse in Brand gesetzt worden war.

Seit fast vier Jahren herrscht in Thailand politisches Chaos. Damals setzte das Militär den vor allem bei den ärmeren Leuten beliebten Regierungschef Thaksin ab. Der Politiker war der Korruption überführt worden. Seitdem unterstützt Thaksin aus dem Exil in Abu Dhabi mit Geldspritzen aus seinem Milliardenvermögen die Opposition und die Demonstrationen gegen seine Nachfolger.

Wachstum zu schwach

Die jahrelange Instabilität schlägt sich in Thailands Wirtschaftsdaten unangenehm nieder. Während andere Länder der Region wie Indonesien oder Vietnam auf Wachstumsraten von sieben bis acht Prozent blicken, hinkt Thailand hinterher. Die Regierung in Bangkok hält zwar an einer Wachstumsprognose von 4,3 bis 5,8 Prozent für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr fest. Unabhängige Analysten bezweifeln das: Die Ratingagentur Fitch etwa steht keineswegs allein mit ihrer Prognose von nur 3,8 Prozent – und das, nachdem das BIP im Jahr 2009 um 2,9 Prozent geschrumpft war.

Unter den blutigen Bildern aus Bangkok leidet natürlich der Tourismus, der bisher rund sieben Prozent zur thailändischen Wirtschaftsleistung beiträgt, Mehr als drei Milliarden Dollar, schätzen die Analysten von Credit Suisse, dürften Thailand in diesem Jahr wegen ausbleibender Besucher verloren gehen. Die meisten Hotels in der Hauptstadt stehen leer. Aber auch in Touristenorten wie Phuket oder Kao Lak sieht es kaum anders aus. Wenn in den kommenden Wochen die Buchungssaison für die wichtigen Monate von Oktober bis Februar beginnt, werden die meisten Anbieter auf ihren Kontingenten sitzen bleiben.

Deutsche Exporte nach Thailand

Auch mit den Investitionen aus dem Ausland wird es vermutlich weiter bergab gehen. Mehr als eine Milliarde Dollar haben ausländische Fonds in den vergangenen zehn Tagen aus Thailand abgezogen. „Ich würde die Auswirkungen auf die ausländischen Direktinvestitionen nicht herunterspielen“, warnt Vincent Ho von Fitch. Selbst wenn es das Militär jetzt schafft, die Opposition durch harte Gegenschläge zu unterdrücken, halten die meisten Beobachter einen dauerhaften Frieden für unwahrscheinlich. Thaksin und seine Rothemden werden keine Ruhe geben.

Weniger Importe

Durch die politische Krise leiden auch das Verbrauchervertrauen und der private Konsum, sagt Sriyan Pietersz, Chefökonom für Südostasien bei JP Morgan in Bangkok. Das wiederum lässt die thailändischen Importe schrumpfen. Aus Deutschland kaufen die Thais vor allem Maschinen, Chemieprodukte und Autos. Schon im vergangenen Jahr schrumpften die Einfuhren aus Deutschland um 16,5 Prozent. Die politischen Turbulenzen dürften den Trend verstärken.

Thailands wichtigste Importländer

Spüren dürften das auch die Autohersteller in Thailand. BMW montiert in Rayong südlich von Bangkok Modelle der 3er-, 5er- und 7er-Reihe. Angesichts der Krise, glauben Analysten in Bangkok, werden sich die Thais in diesem Jahr bei Autokäufen zurückhalten.

Und dann drohen den Reiseveranstaltern empfindliche Verluste. TUI hat die Buchung von Reisen nach Bangkok am 14. Mai eingestellt. Das Unternehmen versucht zu beschwichtigen: Mehr als 90 Prozent der Thailand-Urlauber buchten bei TUI Reisen nicht etwa nach Bangkok, sondern in den friedlichen Süden des Landes. Da brauche niemand Angst zu haben. So eine Rechnung geht aber nur auf, wenn die Touristen mitmachen. Das ist zweifelhaft. Schon jetzt berichten zahlreiche Wettbewerber von TUI über Stornierungen von Reisen auf die Inselparadiese im Süden Thailands.

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