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Thomas Cook Wohin geht die Reise?

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Vorbild Norden

Die Briten geraten so zunehmend ins Hintertreffen. Vor einigen Jahren lagen beide Börsenkonzerne in puncto Marktkapitalisierung gleichauf. Heute ist TUI mehr als das Doppelte wert. Mit dem Kreuzfahrtgeschäft, eigenen Hotels und Clubanlagen lassen sich auf Dauer höhere Renditen erzielen, hoffen die Investoren.

Die Zukunftsaussichten für Thomas Cook hingegen sind nebulös. Zwar wiederholte Fontenla-Novoa mantraartig eine Marge von fünf Prozent als „heiligen Gral der Pauschalreise“. Doch die übertrifft er bislang nur in Skandinavien mit neun Prozent (siehe Grafik), der umsatzmäßig schwächsten Region von Thomas Cook nach den USA.

Im Heimatmarkt Großbritannien gerät die Marge von derzeit 3,4 Prozent sogar unter Druck, was mit einer britischen Besonderheit zu tun hat. Engländer tauschen ihre Reisekasse traditionell vor Abflug von Pfund in Urlaubswährung um. Davon profitiert Thomas Cook mit seinen Geldwechselstuben. Das Geschäft gilt intern als „Margenbooster“. Doch inzwischen würden auch Briten das Geld verstärkt am Bankautomaten am Urlaubsort abheben, sagt ein Thomas-Cook-Insider. Die 14 Prozent, die das Finanzgeschäft zum Gewinn beisteuert, könnten daher bröckeln.

Nebulöse Aussichten

Als Antwort darauf machte Fontenla-Novoa das, was er am besten kann: den Konzern verschlanken. So sucht Thomas Cook laut „Sunday Times“ einen Käufer für Immobilien wie Hotels und Büros, die Erlöse von mehr als 220 Millionen Euro versprechen. Doch das Ausmisten beantwortet die Wachstumsfrage nicht. Vor einem Jahr kündigte der Konzern vollmundig Akquisitionen an. Im Zwischenbericht vor zwei Monaten war davon nicht mehr die Rede.

Vor allem in der deutschen Dependance ist Mitarbeitern nicht klar, wohin die Reise gehen soll. Thomas Cook gilt als Konzern mit zwei Parallelwelten: dort die Londoner Holding mit eigenen Reisebüros im britischen Markt, hier die deutschen Neckermänner mit Wunsch nach mehr interner Anerkennung. Doch die von den Mitarbeitern so erhoffte Werbeoffensive etwa für die Volksmarke Neckermann bleibt aus.

Für die zwei Welten standen bisher auch die Persönlichkeiten der beiden Chefs: Konzernchef Fontenla-Novoa konnte seine Führungskräfte mitreißen. „Die Leute lassen sich von ihm gefangen nehmen“, sagt ein langjähriger Wegbegleiter. Der Engländer mit spanischen Wurzeln drängt seine Gesprächspartner zu kurzen Fragen und schnellen Antworten. Anders Deutschland-Chef Peter Fankhauser. Der Schweizer führt die Marken Thomas Cook, Neckermann und Last-Minute-Anbieter Bucher mit eidgenössischer Gelassenheit.

Den Renditewünschen aus London folgt er bereitwillig. Vor zwei Jahren startete Fankhauser in Oberursel eine tief greifende Umstrukturierung. Urlaubskataloge werden nun von Teams produziert, die nach Zielgebieten organisiert sind. Vorher stand die Verantwortung für die Marken Thomas Cook und Neckermann im Fokus. In den Zielgebieten legte der Konzern Betreuungsaktivitäten der Urlauber zusammen. Regionale Vertriebsleitungen wurden gestrichen. Auch das Beschwerdemanagement und der Flughafenservice stehen immer wieder zur Debatte.

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