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Thomas Cook Wohin geht die Reise?

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Nur noch Dritter

Die Basis sehnt sich nach mehr Ruhe. Doch davon ist wenig zu spüren. Bei Öger, dem gerade gekauften Türkei-Spezialisten, rollen Köpfe, um die Renditevorgabe von fünf Prozent zu erfüllen. 40 der rund 100 Stellen fallen weg. Destinationen, die weit von der Türkei entfernt liegen, fliegen aus dem Programm. Die Dominikanische Republik etwa werde von Kunden nicht als Markenkern von Öger gesehen, heißt es.

Die Entlassungen haben wohl auch damit zu tun, dass der Marktanteil unter den Erwartungen liegt. 2009 hätten es beide Firmen zusammen auf 15,8 Prozent gebracht – vor Konkurrent Rewe mit seinen Töchtern ITS, Tjaereborg und Dertour. Doch 2010 kommt Thomas Cook selbst mit Öger nicht über Platz drei hinaus (siehe Grafik). „Wer dauerhaft Marktanteile verliert, setzt seine Einkaufsmacht aufs Spiel“, sagt Experte von Dörnberg. Langfristig ruiniere das die Rendite.

Online-offensive

Mit neuer Buchungstechnik will Deutschland-Chef Fankhauser verlorene Anteile zurückerobern. Reisebüros sollen über die IT Pauschalreisen mit individualisierten Bestandteilen buchen können. Zudem kann der Veranstalter ein neues Hotel auch während der Saison in die Buchungsmaske aufnehmen und anbieten. Die IT wurde „völlig umgebaut“, sagt Fankhauser. Ziel sei es, auch im Online-Geschäft Boden gutzumachen.

Noch immer verkauft Thomas Cook in Deutschland 80 Prozent seiner Reisen über Reisebüros – in harter Konkurrenz zu Mittelständlern wie FTI, Schauinsland und Alltours. Die inhabergeführten Veranstalter begnügen sich mit Renditen von weniger als einem Prozent. Sie bieten Reisebüros zweistellige Provisionen ab der ersten Buchung an. Thomas Cook gibt für einen vermittelten Jahresumsatz von weniger als 145 000 Euro nur sieben Prozent.

Branchenkenner erwarten daher, dass Thomas Cook nach Öger in Deutschland ein weiteres Mal zuschlagen wird. Die Übernahme der Touristikmarken des Handelsriesen Rewe gilt in Oberursel als „Traumoption“, so ein Insider. Rewe verfügt über eine große Anzahl von eigenen Reisebüros, die den Vertrieb der Eigenmarken erleichtert. Doch dafür bräuchte Thomas Cook einen willigen Verkäufer – Rewe gilt derzeit als nicht interessiert.

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