WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Tim Parker im Interview "Groß und eckig"

Seite 2/3

Marktanteile im weltweiten Koffergeschäft

Das denken Ihre Wettbewerber wie der US-Anbieter Tumi oder Rimova aus Deutschland sicher auch.

Darum investieren wir viel Geld in neue Produkte mit Eigenschaften, die kein anderer bietet. Unser größter Schalenkoffer wiegt nur noch 3,5 Kilo. In den Neunzigerjahren waren es noch acht Kilo. Und der neue kann mehr ab. Eine meiner Party-Einlagen ist, auf einem Samsonite-Koffer herumzuhüpfen, um zu zeigen, was der alles verträgt. Soll ich mal?

Danke, später gerne. Samsonite hat sich lange auch als Lifestyle-Produkt verkauft. Warum hört man davon jetzt so wenig?

Das war die Linie meines Vorgängers. Damals haben wir auch Koffer angeboten, die luxuriös daherkamen oder die Modedesigner wie Alexander McQueen entworfen hatten. Die hatten zwar ein, sagen wir mal, sehr interessantes Design, aber waren auch sehr teuer in der Produktion. Mit dem Angebot von Luxuskoffern, aber auch Textilien und Schuhen haben wir unseren eigentlichen Kern vernachlässigt: hochwertiges Reisegepäck. Darum habe ich diesen Extra-Kram gestoppt.

Samsonite verkauft doch noch Schuhe?

Aber nicht mehr viele.

Kein Luxus, kein Extra-Kram: Womit wollen Sie denn wachsen?

(Parker tut, als ob er überlegt) Ich glaube – mit Koffern (lacht). Schauen Sie nicht so erstaunt. Wir sind da heute unter unseren Möglichkeiten. Unser Weltmarkt wächst bis 2020 von heute rund 14 auf gut 20 Milliarden Dollar. Nur jeder zehnte Koffer ist heute von uns und noch mal sechs Prozent sind andere Markenprodukte. Aber gut 80 Prozent der Kunden kaufen Koffer ohne bekannte Marke oder Handelsmarke, obwohl sie im Herzen doch einen von uns wollen. Denen müssen wir zeigen, dass sich unser Aufpreis lohnt. Darum haben wir unser Marketingbudget auf neun Prozent unseres Umsatzes verdoppelt. Damit dürften wir auffallen.

Gut 100 Millionen Dollar, ist das für ein Unternehmen Ihrer Größe nicht zu viel?

Nein. Auch wenn wir eine Weltmarke sind, gibt es den Weltkoffer so wenig wie das Weltauto. Das haben wir ebenso schmerzhaft erfahren wie viele Autokonzerne.

Was unterscheidet denn beim Koffer Amerikaner von Europäern oder Asiaten?

Während wir in Europa und Asien zu rund 70 Prozent das Gleiche verkaufen, haben Kunden aus den USA mit dem Rest der Welt wenig gemeinsam. Die mögen ihre Koffer wie ihre Autos: groß und eckig, mit dicken Reißverschlüssen. Europäer suchen runde Formen und leichte Koffer.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%