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Tim Parker im Interview "Groß und eckig"

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Woran liegt das?

In Europa verkaufen wir weitgehend über Fachgeschäfte mit einem breiten Angebot. Da stechen Premiumprodukte nicht zuletzt durch andere Farben und Formen heraus. In den USA dagegen machen wir 90 Prozent vom Umsatz über Ladenketten wie Macy’s oder Wal-Mart, die aus Platzmangel wenige Modelle anbieten, die nicht zu teuer sind und hohe Umsätze versprechen. Also setzen wir da auf den Massengeschmack und in Europa auf individuellere Designs.

Amerikaner tun sich oft schwer in Asien. Was machen Sie anders?

Wir sind kein amerikanisches Unternehmen mehr.

Ihre Zentrale liegt doch bei Boston.

Aber sie kümmert sich nur um Dinge wie Finanzen oder Recht. Wir steuern unser Geschäft über Regionalzentren, die Vision und Produkte gemeinsam haben, aber wirtschaftlich selbstständig sind.

Wie betreffen Sie steigende Transport- oder Materialkosten durch teureres Öl?

Wir merken das daran, dass wir in Europa im Schnitt kleinere Koffer verkaufen, weil die Fluglinien die höheren Spritkosten durch strengere Obergrenzen für Freigepäck und höhere Zuzahlungen für Übergepäck wettmachen wollen. Aber auch in der Logistik trifft uns der Ölpreis. Wir sind eine Maschine, die jährlich 26 Millionen Koffer von gut 30 Lieferanten zu vier großen Fabriken und dann zu 36.000 Läden in gut 100 Ländern schafft.

Wie reagieren Sie? Weniger zentrale und mehr lokale Fertigung?

Wir haben bereits in jeder Region eine Fabrik. Mehr ist nicht sinnvoll. Aber von einem Ölpreis von sagen wir mal 200 Dollar an wird sich unser Lebensstil ändern. Wir im Westen werden zwar noch im Osten produzieren, aber mehr Geld für Produkte von dort bezahlen und darum weniger Wegwerfprodukte kaufen, ja weniger Produkte überhaupt. Samsonite mildert das Problem, weil unsere Produkte besonders langlebig sind.

Wie lange wollen Sie Ihren Job noch machen?

Bei Samsonite liebe ich die Produkte und lebe mit ihnen. Meine Aktentasche hier sieht mich öfter als meine Frau. Nun kann ich die Marke auf eine neue Stufe heben. Ich bin 55 und habe vergeblich versucht kürzer zu treten. Golf spielen ist schon in Ordnung, aber wir brauchen doch alle Herausforderungen.

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