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Top-Unternehmer Deutschlands Unruhestifter

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Handfeste Schaffer oder notorische Regelbrecher

Der Geist des Gründers prägt den Konzern bis heute. Hauptsache knifflig, technologisch anspruchsvoll, auf keinen Fall etwas für Dünnbrettbohrer – dann fühlen sich Bosch-Ingenieure wie ihr Urvater noch immer am wohlsten. Ob die Lambdasonde als Kernstück für den Katalysator, das Antiblockiersystem ABS, die elektronische Stabilisierung ESP oder neue, energiesparende Einspritzverfahren für die Kraftstoffzuführung, bis heute schaffen es die Schwaben, in der Autotechnik ganz vorn zu fahren. Obwohl ein Weltkonzern, tickt das Stiftungsunternehmen Robert Bosch mit über 270 000 Mitarbeitern in Büros und Werkshallen vielfach noch immer wie ein Mittelständler.

Von der dänischen Grenze bis nach Norditalien zieht sich ein Wohlstandsstreifen durch Europa mit meist mittelgroßen Unternehmen, die ihre Existenz allesamt Typen wie Bosch verdanken – und sich ihren Esprit generationsübergreifend bis heute erhalten haben. Die einen repräsentieren den Typus der handfesten Schaffer: der Lasermaschinenbauer Trumpf im schwäbischen Ditzingen, der Sägenhersteller Stihl in Waiblingen bei Stuttgart, der Abfüllanlagenbauer Krones im oberpfälzischen Neutraubling oder der Orgelbaumeister Klais in Bonn.

Die anderen sind Gründungen notorischer Regelbrecher, die meist in der Dienstleistungsbranche und im Handel produktive Unruhe stiften. Wie etwa Günther Fielmann, der in den Siebzigerjahren die Ära der Kassengestelle beendete und Designerbrillen auch für weniger Betuchte bezahlbar machte.

Unternehmer-Gen

Oder Torsten Toeller, der 1990 im Alter von 24 sein Tierbedarfs-Imperium Fressnapf eröffnete. Oder DocMorris-Gründer Ralf Däinghaus, der das Verbot des Medikamenten-Versandhandels knackte und dazu in den Niederlanden eine Versandapotheke eröffnete. Später gründete er DocMorris-Apotheken in Deutschland. 2007 verkaufte Däinghaus die -Franchisekette und das Versandhausan den Pharmagroßhändler Celesio. -Kürzlich gründete er einen Freizeitclub für Senioren.

Für die Enfants terribles der Wirtschaft ist Unternehmersein ein großartiges Spiel. Anders als die Erben von Dynastien, die ihr Familienreich lieber für die nächsten 100 Jahre sichern, statt es zu versilbern, treibt die Störenfriede der Spaß an der Zerstörung der Geschäftsmodelle aller Etablierten und Satten.

„Es gibt so etwas wie ein unternehmerisches Gen“, glaubt Peter May, Geschäftsführer der Bonner Unternehmensbe-ratung Intes, die sich auf Familienunternehmen spezialisiert hat. Mut, Durch-setzungsvermögen und die Bereitschaft, auch ein Scheitern zu riskieren, sowie der Wille, seine Sache besser zu machen als andere, oft sogar ein Weltverbesserungsdrang, unterscheide den Unternehmer von Durchschnittsmenschen. Ruhm, Vermögen oder Statussymbole seien es in der Regel nicht, die Menschen solchen Schlags auf Touren hielten. Ihr Antrieb komme von innen.

Als intrinsisch Motivierte bezeichnen Psychologen solche Menschen. Nicht äußere Anstöße -halten diese Personen auf Trab, sondern allein die Sache begeistert sie. Das schafft ihnen Befriedigung und jagt sie vorwärts.

In den kommenden Ausgaben wird die WirtschaftsWoche in loser Reihenfolge solche außergewöhnlichen Menschen vorstellen: Gründer, Macher, Unternehmer aus Leidenschaft. Den Anfang machen auf den folgenden Seiten der westfälische Maschinenbauer Björn Kemper, der Essener Klebemittelfabrikant Gerwin Schüttpelz und der Sozialunternehmer Hans Reitz..

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