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Tourismus-Branche Reiseveranstalter nützen Krise zum Angriff auf TUI und Thomas Cook

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Branche fürchtet neue Preissenkungs-Runde

Anzahl der Reisende von 2007 und 2008

Zumindest noch nicht. Die Zeit läuft eher gegen die Touristiker. Bleiben die Buchungen weiterhin auf niedrigem Niveau, könnten die Preise weiter purzeln. Dann droht eine Phase der jahrelangen Preisflaute, so wie 2001 nach den Terroranschlägen auf die Türme des World Trade Centers: Im kollektiven Schrecken kappten nahezu alle deutschen Reiseveranstalter die Preise um zweistellige Prozentsätze. Das niedrige Preisniveau hielt sich hartnäckig in den nachfolgenden drei Jahren. Das hat „den Markt kaputt gemacht“, sagt Markus Heller, Chef der Münchner Beratung Fried & Partner.

Mit Argusaugen beobachten sich die Manager der Branche gegenseitig, wer mit der eigentlichen Preissenkung beginnt. Dann „ziehen wir sofort nach“, sagt Rewe-Touristik-Chef Euling. Vor allem Alltours-Chef Verhuven steht im Ruf, den Anfang zu machen. Bislang gibt er sich zahm: „Es reicht, wenn wir über den Nachfragerückgang Geld verlieren, da muss ich nicht durch Preissenkungen und Extra-Werbemaßnahmen zusätzliches Geld verlieren.“

TUI und Thomas Cook trifft Krise doppelt

Die inhabergeführten Touristikunternehmen haben einen Vorteil gegenüber den Aktiengesellschaften: Sie können schneller agieren als TUI und die Arcandor-Tochter Thomas Cook  — und schleppen keine kapitalintensiven Töchter mit sich herum. Die beiden Marktführer trifft die Krise gleich dreifach oder zumindest doppelt: Sie besitzen mit Tuifly und Condor jeweils eine Fluggesellschaft. Zudem verfügt TUI über etliche Hotels in den Urlaubsgebieten. Zwar verweist TUI-Manager Böttcher darauf, dass er die Häuser „so gut wie immer voll“ kriegt. Dennoch ist der Druck auf die Konzerne aufgrund der langen Wertschöpfungsketten mit Flug und Hotel ungleich höher.

„Andererseits ist ein Veranstalter wie Alltours mit seinen mehrjährigen Pachtverträgen bei seinen wichtigsten Hotels in einer ähnlichen Situation, zumindest was seine Hotelverpflichtungen betrifft“, sagt Experte Born. Gewinner werden jene Veranstalter sein, die sich „am schnellsten von Kapazitätsteilen trennen können“, so Born. „Ob das die Kleinen mit Schnelligkeit oder die Großen mit ihrer Marktpower sein werden, bleibt abzuwarten.“

Für Ostern hat sich Alltours-Chef Verhuven jedenfalls etwas Besonderes einfallen lassen. Ab Düsseldorf und Köln setzt er zehn Sondermaschinen ein, die Alltours-Gäste exklusiv auf die Kanaren, nach Mallorca und in die Türkei befördern — und teilweise wieder leer zurückfliegen. So will Verhuven frei verfügbare Kapazität schneller an den Mann und die Frau bringen, um nicht „im Last-Minute-Geschäft Geld zu verlieren“.

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