Tourismus Trübe Aussichten für Hoteliers

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Grafik: Geschäftsentwicklung Hotelerie

Der Absturz kam im letzten Quartal 2008 und fiel heftig aus. Zwar erzielten die insgesamt gut 36 000 Hotels, Pensionen und Gasthäuser 2008 noch einen Rekordumsatz von fast 19 Milliarden  Euro – aber seitdem geht es abwärts: Allein in den ersten vier Monaten 2009 ging die Belegung um bis zu 12 Prozent zurück, die Zimmerpreise sogar um bis zu 24 Prozent. Laut Dehoga-Umfrage musste die Branche im ersten Quartal ein Umsatzminus von fast fünf Prozent verkraften.

Allerdings verläuft die Entwicklung je nach Marktsegment und Standort unterschiedlich. Beim Marktführer Accor sank der Umsatz im ersten Halbjahr um 11,4 Prozent. Überdurchschnittlich ist das Minus in den Sofitel- und Pullman-Häusern der oberen Kategorie sowie den Mittelklasse-Marken Mercure und Novotel, besser lief es in Ibis- und Etap-Budgethotels.

Bundesweit am schlimmsten erwischt hat es die Hotels mit einem hohen Anteil an Geschäftsreisenden. Die Unternehmen sparen an Dienstreisen, Firmenveranstaltungen werden verschoben oder gestrichen. Wer noch reisen darf, muss Economy statt Business fliegen und in billigeren Hotels übernachten. „In rund 16 Prozent der Unternehmen wird weniger gereist als im Vorjahr“, sagt Dirk Gerdom, Präsident des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR). Fast 30 Prozent der Firmen verzichten auf alle nicht unbedingt notwendigen Geschäftsreisen, 40 Prozent achten stärker auf die Kosten.

Top-Hotels kämpfen um Gäste

Zu kämpfen hat das obere Segment in Großstädten und an Flughäfen. „Vor allem bei Konferenzen und Tagungen wurde stark zurückgefahren“, sagt Wilhelm Luxem, Direktor des Excelsior Hotel Ernst in Köln. Auch den Fünf-Sterne-Ketten wie Marriott, Hilton oder InterContinental fehlen Veranstaltungen des Top-Managements aus den Unternehmen: „Wenn unten Arbeitsplätze abgebaut werden und normale Geschäftsreisende sparen müssen, macht es sich nicht gut, wenn die Vorstände weitermachen wie bisher“, sagt Berater Gerhard.

Vier-Sterne-Ketten wie Maritim oder die NH Hoteles leiden darunter, dass ihre Firmen-Stammkunden in die Ibis- oder Motel-One-Budgetklasse heruntergestuft wurden. Die Flughafenhäuser spüren den Rückgang im Luftverkehr und alle zusammen das Ausbleiben der Gäste aus dem Ausland – die internationale Nachfrage ging um über acht Prozent zurück.

Je höher der internationale Gäste-Anteil, desto schlimmer die Folgen der Krise – darum leiden die Hoteliers der Banken- und Business-Metropole Frankfurt mit am stärksten. Noch schlimmer dran ist Düsseldorf, weil der rückläufige Geschäftsreiseverkehr dort zusammenfällt mit einem schwachen Messejahr: Die nächste Druckfachmesse Drupa – mit fast 390.000 Besuchern einer der größten Umsatzbringer – findet erst 2012 statt.

Verschärft wird die Situation durch die panische Reaktion der Betroffenen: „Viele reagieren mit teilweise massiven Preissenkungen“, kritisiert Gerhard. Der Preisverfall erfolgt an Standorten wie Berlin mit seinem Überangebot manchmal über Nacht: „Da reicht ein nervenschwacher Hoteldirektor – wenn der abends sieht, dass seine Belegung für den nächsten Tag nicht stimmt, reduziert er seine Internet-Preise“, erzählt ein Brancheninsider aus der Hauptstadt. „Wenn die Mitbewerber nachziehen, ist die Lawine nicht mehr aufzuhalten.“ Wenn die Vier-Sterne-Häuser ihre Zimmerpreise auf das Niveau von Drei-Sterne-Häusern reduzieren, wird die Abwärtsspirale mit Zeitverzögerung von oben nach unten weitergegeben. Darum klagen auch die bisher im Windschatten der Krise agierenden Budget-ketten inzwischen über Umsatzverluste.

Die Bettenbetreiber reagieren mit Kostensenkungen: Accor hat im ersten Halbjahr 2009 schon 72 Millionen Euro Betriebskosten gespart – vor allem durch Kurzarbeit. 125 Millionen soll das Verschieben von Renovierungen bringen, 100 Millionen die Streckung der Expansionspläne, 75 Millionen Kürzungen beim Marketing. Die Rezidor-Gruppe mit Marken wie Radisson oder Regent setzt zwar weiter auf Expansion, „wir werden aber kapitalschonend mit Franchise-Partnern wachsen, statt selbst Hotels zu betreiben“, sagt Rezidor-Chef Kurt Ritter.

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