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TUI Chinesen müssen Frenzels Kopf retten

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Chinesische Touristen in Köln Quelle: dpa

Umso besser passt Frenzel jetzt die China-Lizenz ins Konzept. Geld für Investitionen sind in Aussicht. Wie gerufen zeichnet sich der Verkauf der 38,4 Prozent ab, die TUI an der Containerreederei Hapag-Lloyd hält und die Frenzel seit 2008 loswerden will. In der Finanzkrise platzte der Komplettverkauf, nachdem sich Politiker gegen ausländische Investoren stemmten, um die Linie in Hamburg zu halten.

Komfortable Optionen

Das Touristikgeschäft des TUI-Konzerns

Frenzel will das Hapag-Lloyd-Paket dieses Jahr veräußern. Dazu ist er in einer komfortablen Lage. Der Staatsfonds aus Omar bekundete Interesse. Ein Börsengang im Herbst wäre die Alternative. Schlägt beides fehl, hat Frenzel sich die Option offengehalten, von 2012 an die Anteile den Partnern der Investorengruppe Albert Ballinn anzudienen. Die Stadt Hamburg und der Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne wären gezwungen zu kaufen. Erlöse von einer Milliarde Euro sind realistisch.

Investitionen in China könnten sich lohnen, denn das Land gilt als wachstumsstarker Pauschalreisemarkt. Urlauber aus dem Reich der Mitte reisen gern in Gruppen, und die wachsende Mittelschicht dürfte zunehmend an höherwertigen und teuren Reisen Interesse zeigen. Vergangenes Jahr übernachteten Chinesen mehr als eine Million Mal hierzulande. Die Deutsche Zentrale für Tourismus schätzt die Zahl der Übernachtungen im Jahr 2020 auf doppelt so viele.

Mit dem Erfolg im China-Geschäft entscheidet sich auch, ob TUI in Zukunft nennenswert wachsen kann. Noch immer gleicht das Unternehmen eher einem Ausflugsdampfer mit Schaufelrad als einem Kreuzfahrtschiff mit Hochseemotorisierung. Frenzels Idee, auf allen Wertschöpfungsstufen, von der Reise bis zur Übernachtung, mit zu verdienen, hat sich nur teilweise erfüllt. Das Geschäft mit eigenen Hotels schwächelt. Einst gute Ideen kommen in die Jahre oder sind out. Beispiel Magic Life: Die 1990 in Österreich gegründete Clubmarke stand als erste für All-inclusive-Reisen. Das Rundum-sorglos-Paket, für einen Festbetrag so viel essen und trinken zu können, wie reingeht, schlug bombastisch ein.

Heute wirkt Magic Life beliebig, auswechselbar und billig. Vor allem die Konkurrenzangebote Alltoura von Alltours und Calimera von Rewe Touristik haben Boden gutgemacht. Frenzel blieb nur, die Anlagen jüngst an die britische Tochter TUI Travel zu verkaufen. Die Engländer wollen die Marke nun auf die speziellen Bedürfnisse britischer Touristen ausrichten.

Bis heute konnte Frenzel das Hauptproblem, das TUI seit Jahren plagt, jedoch nicht lösen: die niedrige Umsatzrendite. So mantraartig er die Trennung von margenschwachen Geschäften predigte, so wenig steigerte er die Rentabilität. Konzernweit blieben 2010 ganze 1,5 Prozent vom Umsatz als Jahresergebnis übrig. Vor allem im Heimatmarkt Deutschland bleibt die Marge schwach. Erreichte TUI dort 2010 eine operative Umsatzrendite von 2,1 Prozent, schaffte die Konzernschwester in Großbritannien exakt doppelt so viel (siehe Grafik).

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