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TV-Sender Al Jazeera Tausend und eine Nachricht

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Katz-und-Maus-Spiel Quelle: Laif

In den vergangenen zehn Jahren machte er den Sender zu einem ansehnlichen Konglomerat. Al Jazeera besitzt Sender für Dokumentationen, für Sport, sogar für Kinderprogramme. Trotzdem ist die Gruppe dem Vernehmen nach noch weit von Gewinnen entfernt – offizielle Zahlen gibt es nicht. Schätzungen zufolge müssen die al-Thanis jährlich 100 Millionen Dollar zuschießen. „Dafür hat Al Jazeera auch die neueste Technologie zur Verfügung“, sagt der britische Ex-Al-Jazeera-Reporter Mark Seddon.

Als Haupteinnahmequelle gelten Abos für den Bezahl-Sportsender Al Jazeera Riyadiya. Weitere Umsätze stammen aus Gebühren für die Übernahme von Bildern durch Fremdsender und den paar Werbespots, die Al Jazeera ausstrahlt. „Al Jazeera ist im klassischen Sinne kein Privatsender, er gehört dem Emir. Da ist der Druck gering, Geld zu verdienen“, sagt der in Berlin stationierte Al-Jazeera-Korrespondent Aktham Suliman.

Ohne zentrales Studio

2006 ließ die Herrscherfamilie Al Jazeera English einrichten und heuerte dafür bekannte TV-Gesichter von britischen und amerikanischen Stationen an. Talkshow-Gastgeber Riz Khan etwa, ein Brite aus einer indisch-muslimischen Familie, war zuvor ein namhafter Politikjournalist bei BBC und CNN. Die Abgeworbenen mussten nicht mal unter die Wüstensonne ziehen, die Doha im Sommer auf mehr als 50 Grad aufheizt: Al Jazeera English hat kein zentrales Studio. Der Sender berichtet je nach Tageszeit aus Doha, London, Washington und Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur.

Aber wohl nicht mehr lange: Inzwischen muss der Sender – wohl auch wegen der teuren Revolutionsberichterstattung – auf die Kostenbremse treten. Der Emir will kein Fass ohne Boden. Die Sendezentrale in Kuala Lumpur werde geschlossen, berichten Mitarbeiter. Die Studios in London und Washington stehen auf dem Prüfstand, die Gruppe will mehr Arbeit in Doha bündeln.

Kostensparende Zusammenarbeit zwischen dem englisch- und dem arabischsprachigen Sender gibt es kaum, man sitzt nicht mal im selben Gebäude. Hier und da leiht man sich mal eine Kamera, heißt es. Anderes ist auch kaum möglich: „Bei Al Jazeera English braucht man Muttersprachler“, sagt Ex-Mitarbeiter Seddon. Gebrochen Englisch sprechende Reporter könne sich der Sender nicht leisten, wolle er mit westlichen Kanälen konkurrieren. Auch deshalb sei die Arbeit bei Al Jazeera English nicht anders als im Westen. Der Newsroom könne so auch in Atlanta oder London stehen, sagt Seddon. Selbst bei der arabischen Schwester hat ein Großteil der Leute westliche Karrieren bei BBC, Radio France oder Deutscher Welle hinter sich.

In einem aber unterscheide sich Al Jazeera laut Korrespondent Suliman doch: „Die Hierarchie ist flacher“, sagt er. Entscheiden würden zwei Personen, beim arabischsprachigen Sender Chefredakteur Ahmed Sheikh und Intendant Wadah Khanfar.

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