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Übernahme der Huffington Post Wie AOL den Neuanfang versucht

Mit dem Kauf prominenter Blogs versucht sich AOL als Medienunternehmen neu zu erfinden. "Bloggerkönigin" Arianna Huffington soll dabei den Erfolg bringen – doch die Aufgabe ist nicht leicht.

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Arianna Huffington Quelle: dapd

Tim Armstrong hat wieder zugeschlagen. Sonntagnacht nach dem Super Bowl gab der AOL-Chef die Nachricht bekannt: Sein Unternehmen übernimmt für 315 Millionen Dollar die "Huffington Post". Damit gehört nun eines der weltweit wichtigsten und erfolgreichsten Blogs zum Imperium des Internet-Dinosauriers.

Arianna Huffington hat es seit der Gründung 2005 geschafft, die "Huffington Post" zu einer wichtigen Stimme in der amerikanischen Medienlandschaft zu machen. Inzwischen gehört die Seite in den USA zu den am meisten besuchten Websites. Sie verzeichnet monatlich etwa 25 Millionen Nutzer und ist damit auf Augenhöhe mit "New York Times" oder "Washington Post".

AOL versucht sich als Medienunternehmen 2.0

Nun soll Huffington für frischen Wind bei AOL sorgen, vor allem aber dafür, dass neues Geld in die Kassen kommt. Denn noch immer generiert AOL 80 Prozent seiner Gewinne mit Internetzugängen. Damit ist das Unternehmen einst groß geworden, die Werbekampagne mit Boris Becker ("Bin ich schon drin?" ist legendär.

Doch der Großteil sind Altverträge, beim Geschäft mit Breitbandanschlüssen hat AOL den Anschluss verpasst und so bricht dem Unternehmen die bisherige Einnahmequelle immer stärker weg. Und auch Werbeeinnahmen und das Geschäft mit E-Mail-Adressen ist rückläufig. Allein im vierten Quartal sanken die Umsätze erneut um 29 Prozent.

Armstrong versucht nun AOL als Medienunternehmen und Inhalteanbieter neu zu erfinden. Im vorigen Jahr übernahm AOL bereits das einflussreiche Technologie-Blog TechCrunch für 25 Millionen Dollar. Zudem will es etwa 50 Millionen Dollar in Patch stecken - ein Netzwerk für regionale Community-Sites. Auch populäre Websites wie Games.com, Engadget, Autoblog oder Moviefone gehören zum AOL-Netz.

Nachdem die misslungene, 100 Milliarden Dollar schwere „Jahrhundert-Fusion“ mit dem Medienriesen Time Warner vor etwas mehr als einem Jahr wieder getrennt wurde, versucht sich AOL so als Medienunternehmen 2.0.

Dabei hat Arianna Huffington künftig die inhaltliche Oberhoheit über die Mediengruppe, die zusammen in den USA 117 Millionen Besucher im Monat erreicht. Die Integration solle in nur gut einem Monat durchgezogen werden und 20 Millionen Dollar an Einsparungen bringen.

AOL will wieder jung und hip Quelle: dapd

Mit der "Huffington Post" hat die 1950 als Arianna Stassinopoulos in Griechenland geborene Huffington einerseits inhaltlich eine wichtige neue Stimme in der Medienlandschaft etabliert und es geschafft, damit auch Geld zu verdienen. Im vergangenen Jahr war die Seite erstmals profitabel, der Umsatz hat sich von 31 auf 60 Millionen Dollar verdoppelt.   

Den Durchbruch hatte die "HuffPo" in der Präsidentschafts-Kampagne 2008, als sie sich neben den konservativen Kommentatoren von "Fox News" als linksliberales Gegengewicht etablierte. Das Erfolgsgeheimnis ist ein Mix aus klassischem Journalismus und dem cleveren Einsatz neuer Technologien. Zum einen gibt es die Masse an Ratgeber-Stücken und Promi-Geplänkel, die für Internet-Suchmaschinen optimiert sind.

Es gibt zum Beispiel eine Extra-Seite mit Scheidungs-Informationen oder simpel gestrickte Artikel wie „Um welche Uhrzeit startet der Superbowl?“. Auf diesem Wege kommen zahlreiche Nutzer und Werbung auf die Website. Zugleich bietet die "Huffington Post" aber auch seriöse Kommentare und Qualitätsjournalismus, für den auch schon Reporter etwa der "New York Times" abgeworben wurden.

Streitigkeiten im AOL-Medienkonglomerat

Doch leicht wird es nicht, das Konzept auf das neue AOL-Medienkonglomerat zu übertragen. Deren bisherige Flaggschiffe, die Technikblogs Techcrunch und Engadget zettelten kürzlich einen heftigen öffentlichen Streit an und Branchenbeobachter spekulieren bereits darüber, wann der populäre Techcrunch Michael Arrington von Bord geht.  "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er für Arianna arbeitet", schreibt beispielsweise Newsweek-Redakteur Dan Lyons.

Ein weiteres Problem sind die geringen Werbepreise im Netz. Bei Inhaltsfabriken wie dem  kürzlich an die Börse gegangene Demand Media produzieren die Mitarbeiter möglichst schnell und zahlreich Texte, die speziell auf Suchanfragen bei Google ausgerichtet sind. Auch AOL setzt auf dies Strategie, wie ein kürzlich publik gewordenes Dokument zeigt.

Es wird für Huffington ein schwieriger Spagat zwischen qualitativ hochwertigem Journalismus und dem Zwang, mit möglichst geringem Aufwand die Einnahmen zu steigern. Und keine leichte Aufgabe, den Erfolg der "Huffington Post" in größerem Maßstab zu wiederholen.

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