WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Übernahme durch Commerzbank Harte Zeiten für Mitarbeiter der Dresdner Bank

Das Zusammengehen von Commerzbank und Dresdner Bank gilt als Bankenfusion des Jahres. Doch die Stimmung unter Mitarbeitern der Dresdner Bank ist mies: Sie soll der Stellenabbau angeblich besonders stark treffen. Bonuszahlungen sollen Massenkündigungen von führenden Mitarbeitern im Investmentbanking verhindern. Der Betriebsrat kündigt bereits Proteste an.

Dresdner Bank in Frankfurt Quelle: AP

Die Beschäftigten der Dresdner Bank verlangen rasche Klarheit über den angekündigten Abbau tausender Stellen nach der Übernahme ihres Instituts durch die Commerzbank. In der Belegschaft herrsche Wut und Trauer, weil sich nach 136 Jahren das Ende des Traditionshauses abzeichne, sagte die Vorsitzende des Dresdner-Gesamtbetriebsrates, Claudia Eggert-Lehmann, gestern. 

Im Zuge der Übernahme sollen 9000 von insgesamt 67.000 Vollzeitstellen gestrichen werden, davon 6500 in Deutschland. „Wir erwarten, dass sich die Vorstände schnellstmöglich mit den Gesamtbetriebsräten beider Banken an einen Tisch setzen, um ernsthaft über das Thema soziale Sicherungen zu sprechen“, sagte Eggert- Lehmann. „Unser Ziel ist ein Integrations- und Sozialtarifvertrag.“

Die Lasten müssten gleich verteilt werden: „Wir fordern eine transparente Besetzung der verbleibenden Stellen nach einheitlichen Kriterien.“ Ansonsten sei zu befürchten, dass „der größte Teil des Personalabbaus die Dresdner Bank treffen“ werde, sagte Eggert- Lehmann. Commerzbank-Chef Blessing, der auch das neue Institut führen wird, sagte der „Bild“-Zeitung: „Es werden in beiden Häusern Stellen gestrichen.“ Betroffen seien vor allem das Investmentbanking - seit Jahren das Sorgenkind der Dresdner -, die Verwaltung und das Management.

Angebliche Bonuszahlungen und Widerstand des Betriebsrats

Nach einem Bericht des Handelsblatts sollen Schlüsselkräfte bei Dresdner Kleinwort mit Bonuszahlungen vom Weggang abgehalten werden. Seit einigen Wochen gebe es bei Dresdner Kleinwort einen garantierten Bonus-Pool, um wichtige Mitarbeiter zu halten, berichtet die Wirtschaftszeitung unter Berufung auf Insider. Der Betriebsrat bezeichnete eine solche Regelung als "Schlag ins Gesicht". Sollten im Vorfeld "Sonderlocken gestrickt" worden seien, wird das auf "entschiedenen Widerstand der Gremien treffen", sagte der Betriebsratschef der Frankfurter Dresdner-Zentrale, Hans-Georg Binder, gegenüber dem Handelsblatt.

Binder will den geplanten Arbeitsplatz-Abbau nicht kampflos hinnehmen. Für Freitag habe die Gewerkschaft Verdi zu einer Demonstration aufgerufen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in einen ganztägigen Streik münden werde, sagte Binder, nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Der Betriebsrat erwartet nach den Worten Binders, dass durch die Bankenfusion allein in Frankfurt am Main 4.700 Arbeitsplätze bedroht sind. Er begründete diese Befürchtung damit, dass die Konzernstäbe, die besonders betroffen seien, „zu 99 Prozent“ in den Zentralen der beiden Geldhäuser säßen.

Dresdner-Kleinwort-Chef will Anfang 2009 gehen

Der angebliche Bonus-Pool für hochrangige Mitarbeiter hatte zumindest in London bislang noch nicht die gewünschte Wirkung: Nach Informationen der britischen Tageszeitung „The Times“ verkündete der Chef der Investmentbank Dresdner Kleinwort, Stefan Jentzsch, bereits seinen Abschied: Jentzsch habe zu Mitarbeitern gesagt, er werde den Posten Anfang 2009 aufgeben, berichtete die Zeitung gestern auf ihrer Internet-Seite. Ein Dresdner-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Die Sparte war infolge der Finanzmarktkrise tief in die Verlustzone gerutscht und soll im Zuge des Verkaufs deutlich abgespeckt werden. Eggert-Lehmann bekräftigte die gemeinsam mit dem Allianz- Betriebsrat vorgetragenen Forderungen nach einem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen über das Jahr 2011 hinaus sowie Standortgarantien.

Laut Blessing soll der Stellenabbau etwa durch Altersteilzeit und Aufhebungsverträge umgesetzt werden. Eggert-Lehmann konterte: „Fast alle Mitarbeiter der Dresdner Bank haben schon mehrmals einen Aufhebungsvertrag angeboten bekommen: Wer sich das bisher nicht leisten konnte, kann es auch jetzt nicht.“ Zur Altersteilzeit erläuterte sie, derzeit seien weniger als 1000 Dresdner-Mitarbeiter so alt, dass sie bis 2011 überhaupt in Altersteilzeit gehen könnten.

Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%