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Uhren Rolex: Nichts verändern

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Undurchschaubar für Außenstehende ist bereits der Aufbau des Unternehmens. Denn Rolex ist zwei Rolex. Die Genfer Linie organisiert den Zusammenbau und die Vermarktung der Uhren, die Bieler Manufactures des Montres Rolex liefert die Uhrwerke. Die Unternehmen sind rechtlich getrennt. Nur an zwei kleineren Tochterfirmen halten Genf und Biel jeweils die Hälfte des Kapitals. Abgesehen davon beschränkt sich die Verbindung auf eine – allerdings sehr enge – Lieferbeziehung. Trotz der Unabhängigkeit hat das Verhältnis der beiden Gesellschaften den Charakter einer patriarchalischen Ehe. Genf entscheidet, Biel fügt sich. Die beiden Linien sind weder verschwistert noch verschwägert. Der Genfer Konzern gehört der Wilsdorf-Stiftung. Rolex-Gründer Wilsdorf hatte keine Kinder und gründete die Stiftung nach dem Tod seiner Frau, um die Zukunft seines Lebenswerkes zu sichern. Da Wilsdorf früh Waise war, unterstützt die Stiftung vor allem soziale und pädagogische Vorhaben – sei es SOS-Kinderdörfer, Initiativen für Drogensüchtige, aber ebenso Ökoprojekte. Soziales Engagement Auch die Bieler geben einen Teil ihrer Gewinne für gemeinnützige Zwecke. So profitiert die medizinische Forschung der Berner Universität von Fördergeldern aus dem Vinetum-Forschungsfonds. Vinetum heißen auch die Hol-ding für die Bieler Manufacture des Montres Rolex sowie zehn weitere Unternehmen und Be-teiligungen. Hinter der Vinetum stehen die Familie Borer, der 60 Prozent der Vinetum-Aktien gehören, und die Familie Cottier-Aegler, die 40 Prozent hält. Anders als in Genf kümmern sich die Bieler Familien noch um das Uhrengeschäft. Familienpatron Harry Borer gab erst vor zwei Jahren die Führung an seine Tochter Franziska Borer Winzenried ab. Die allerdings fühlte sich der Doppelbelastung als Managerin und Familienmutter nicht gewachsen und trat schon nach einem Jahr Amtszeit zurück. Heute überwacht sie im Verwaltungsrat gemeinsam mit Bruder und Verwal-tungsratspräsident Daniel Borer den neuen Chef der Manufaktur, Friedrich Sauerländer, der vor einem Jahr von der Lausanner Handelsgruppe André kam. Familiär geht es auch in Genf zu – wenn auch in einem anderen Sinne. Dort setzte der langjährige Rolex-Vormann André Heiniger, der 1962 dem Gründer Hans Wilsdorf gefolgt war, seinen Sohn Patrick als Nachfolger ein – ganz so, als ob ihm das Unternehmen gehöre und er mehr als nur ein angestellter Manager sei. Immerhin: Die Stif-tungsräte der Wilsdorf-Stiftung, sieben ehrenwerte Bürger aus Genf und Umgebung, hatten die Ernennung brav abgenickt. In den Jahren davor hatte der alte Heiniger seinen Junior zielstrebig auf den Posten vorbereitet. Der junge Jurist betrieb seit 1981 eine Kanzlei für Markenrecht, die vor allem für Rolex arbei-tete. 1987 hievte Vater Heiniger seinen Filius in die Position des Marketingchefs, fünf Jahre später wurde er Generaldirektor – allerdings an der kurzen Leine des charismatischen Vaters. Erst ab 1997 zog sich sein Vater zurück und mischte sich bis zu seinem Tode im Jahr 2000 zunehmend seltener in die Geschäfte seines Sohnes ein.

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