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Uhren Rolex: Nichts verändern

Wie Thronfolger Patrick Heiniger die Unabhängigkeit des verschwiegenen Privatkonzerns sichert.

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Lambert van de Sand lässt sich in den Sitz seines Mercedes fallen. Wieder kein Geschäft. "Die reichen Alten haben die Schubladen voller Uhren", seufzt van de Sand, der sich als "reisender Juwelier" bezeichnet, "und die jungen Werbe- und Internetfritzen sind arbeitslos." Noch vor zwei Jahren fackelten die Aufsteiger aus der New Economy nicht lange. Der Preis war zweitrangig. Wichtig war nur, dass es sich um Stücke mit ei-nem der großen Namen wie Tag Heuer, Audemar Piguet oder Jaeger-LeCoultre handelte. Vorbei, vergangen. Van de Sand melancholisch: "So richtig klasse geht nur noch die Rolex." Luxusbranche in Not? Krise der Uhrenbauer? Bei Rolex ist wenig davon zu spüren. Im Gegenteil. Während andere Hersteller unter Rückgängen von 20 Prozent beim Umsatz oder mehr leiden, baut der Genfer Uhrengigant seine Position aus. >>> Bildergalerie: Die schönsten Uhren Unter den Nobeluhren aus der Schweiz ist Rolex nach wie vor die unangefochtene Leitmarke. Mit einem Produkt, der Oyster, macht die Marke mit dem Krönchen fast ebenso viel Umsatz wie der Uhrenbaron Hayek mit den 18 Marken seiner Swatch Group. Etwa die Hälfte des Schweizer Industriegoldes verbraucht die Rolex-Produktion. Neben Nestlé und Nescafé taucht als Schweizer Marke nur Rolex in der "Business-Week"-Liste der wertvollsten 100 Weltmarken auf. Nach Berechnungen der amerikanischen Markenagentur Interbrand ist die Marke allein 3,6 Milliarden Euro wert. Kennedy und Connery tragen Rolex John F. Kennedy schmückte sich mit einer Rolex ebenso wie Yehudi Menuhin oder Konrad Adenauer. Sean Connery, Paul Newman und der Dalai-Lama tragen sie. Aber auch Halbweltgrößen schätzen die Rolex – unter anderem, weil die "Rübe" (Verkäuferjargon) als stabile Fluchtwährung gilt. Vor allem die Sportmodelle legen gleich nach dem Kauf an Wert zu. Die Daytona, nach vierjähriger Wartezeit zum Listenpreis von 5745 Euro erhältlich, kostet auf dem Zweitehandmarkt mindestens 1000 Euro mehr als im Laden. Für eine Daytona mit Handaufzug, die 1985 für etwa 5000 Euro zu haben war, blättern Sammler heute mehr als 15.000 Euro hin. "Rolex ist kaum Modeschwankungen unterworfen und muss sich als Privatunternehmen nicht gegenüber Aktionären rechtfertigen", erklärt Mario Montagnani, Luxusanalyst bei der Genfer Bank Pictet das Phänomen Rolex. Diese Unab-hängigkeit von Zeitgeist und Anlegern sicherte der berühmtesten Uhrenmarke der Welt über Jahrzehnte sowohl ein solides Geschäft wie auch eine stabile Führung. Nur drei Geschäftsführer standen dem Uhrenbauer seit der Gründung 1905 durch den oberfränkischen Kaufmann Hans Wilsdorf vor. Weil Rolex weder von Börsen noch von Trends abhängt, kann das Unternehmen es sich leisten, sich nach außen abzuschließen. Rolex kommuniziert keine Zahlen, keine Strategien und erst recht keine Personalia. "Ein Geheimreich mit ei-genen Regeln", nennt der Pariser Uhrenhändler Wladimir de Witt den Genfer Konzern.

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