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Ulrich Lehner Harter Gegenspieler für Telekom-Vorstand

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ARCHIV - Der Quelle: dpa

Seine Ziele

Mit Alpinisten-Guru Reinhold Messner eine Schule in Nepal bauen und mit dem Bötchen eine Rheintour machen – von Basel nach Düsseldorf. Das sind Ziele, die sich Lehner für die nahe Zukunft gesteckt hat. Viel Zeit wird ihm dafür nicht bleiben. Sein neues Amt als Telekom-Oberaufseher könnte zeitraubend und hochexplosiv werden: Das Durcheinander bei den diversen T-Marken hat sich zwar gelichtet, auch gewinnt der Konzern zunehmend Neukunden für die schnellen DSL-Anschlüsse. Doch dafür laufen ihm die Festnetzkunden weg – über zwei Millionen im vergangenen Jahr. Nach einem harten Arbeitskampf hat Telekom-Chef René Obermann 50 000 Mitarbeiter in Servicegesellschaften ausgegliedert. Doch bei den Personalkosten liegt der Konzern noch immer weit über dem Branchenschnitt. Ein weiterer Stellenabbau droht. Zudem dümpelt die T-Aktie um den Wert vom November 2006, als Obermann den Chefposten antrat. Lehners Erfahrungen bei Henkel sind in dieser Situation willkommen. Er hat einen großen Bereich, die Chemie-sparte, verkauft, dafür das Kerngeschäft mit Waschmitteln, Kosmetik und Klebstoffen gestärkt. Bei Gewerkschaftern genießt er hohes Ansehen, weil er Henkel einvernehmlich mit den Arbeitnehmervertretern umbaute, obwohl dabei Tausende Jobs verloren gingen.

Seine Freunde

Berthold Beitz, der mächtige Chef der Krupp-Stiftung, zählt ebenso zu Lehners Freunden wie Bayer-Chef Werner Wenning. Beitz hatte Lehner 1983 bei Krupp als Leiter des Controllings eingestellt. Zum ersten Mal sei er in unternehmerische Entscheidungen involviert gewesen, erinnert sich Lehner, die politisch waren – etwa bei der Restrukturierung der Werften in Bremen. Gemeinsame Erlebnisse verbindet Lehner auch mit Wenning. „Er ist für mich ein Freund – und mit dieser Bezeichnung gehe ich vorsichtig um“, sagt Wenning. Gut kann Lehner es auch mit Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), von dem der Vorschlag zur Berufung Lehners in den Telekom-Aufsichtsrat ausgegangen sein soll. Und dann gibt es die Bergsteiger-Riege der „Similauner“, benannt nach dem Dreitausender in den Ötztaler Alpen. Zu dem elitären Bergvagabundenkreis unter Führung des Bergsteigers Reinhold Messner gehören Bosse wie Verleger Hubert Burda, Ex-Lufhansa-Chef Jürgen Weber, Linde-Chef Wolfgang Reitzle oder Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel, der wegen angeblicher Steuerhinterziehung aufgeflogen war.

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    Seine Stärken & Schwächen

    Er ist dann doch schwach geworden: Eigentlich wollte sich Lehner nach seinem Ausscheiden als Henkel-Chef mehr um seine vielen Hobbys und seine Familie kümmern. Doch daraus wird wohl nichts. Auch ohne den Telekom-Posten hat Lehner Mandate und Ämter im Überfluss. Die Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt, der Pharmakonzern Novartis, E.On, Porsche, ThyssenKrupp, Oetker und die Brauerei Krombacher – sie alle lassen sich von Lehner kontrollieren. Dazu kommen Posten beim Verband der Chemischen Industrie, beim Bundesverband der Deutschen Industrie und bei der Industrie- und Handelskammer. Sie verdankt Lehner wichtigen Eigenschaften: Er gilt als integer und als Mann ohne Allüren, als bodenständig und optimistisch. Unaufgeregt und wohltuend leise führte er das Familienunternehmen Henkel. In einer Untersuchung über die Chefs von Dax-Konzernen, die am stärksten zur Selbstdarstellung neigen, landete Lehner auf den hintersten Plätzen.

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