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Umbau des Aufsichtsrats Gerhard Oswald könnte Plattner-Nachfolger bei SAP werden

SAP nominiert zwei neue Aufsichtsräte. Ex-Vorstand Gerhard Oswald würde sich als Nachfolger von Chefaufseher Hasso Plattner eignen.

Das Unternehmen will den Aufsichtsrat umbauen. Quelle: dpa

DüsseldorfDie Vorstandsvergütung hat SAP in den vergangenen Jahren viel Ärger eingebracht. Den will der Softwarekonzern künftig unbedingt vermeiden: Bei der Hauptversammlung am 17. Mai sollen die Aktionäre wieder über das System abstimmen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte und damit einen Bericht des Handelsblatts bestätigte. Damit geht SAP auf die Forderung von Investoren ein.

Der Konzern will zudem zwei neue Mitglieder in den Aufsichtsrat bestellen. Dabei könnte sich der langjährige Vorstand Gerhard Oswald als Nachfolger von Chefaufseher Hasso Plattner eignen.

Das bislang gültige Vergütungssystem erhielt auf der Hauptversammlung 2016 eine magere Zustimmung von nur rund 65 Prozent. 2017 stand es nicht zur Abstimmung, weshalb viele Aktionäre den Aufsichtsrat abstraften und ihm die Entlastung verweigerten – nur eine hauchdünne Mehrheit von 50,49 Prozent stimmte dafür. Die Kritik zielte zum einen auf die Höhe der Vorstandsgehälter, zum anderen auf die Intransparenz des Systems.

Künftig bietet das Unternehmen bei der Vorstandsvergütung deutlich mehr Transparenz. So schlüsselt es detailliert auf, welche Kriterien für die langfristige variable Vergütung ausschlaggebend sind – diese macht bei Vorstandssprecher Bill McDermott einen Großteil der 13,17 Millionen Euro aus, die er für 2017 zugesprochen bekommen hat.

Zudem hat der Aufsichtsrat Änderungen beschlossen, um Abweichungen vom Corporate-Governance-Kodex zu vermeiden. So enthält die kurzfristige variable Vergütung ab 2018 keine Ermessenskomponente mehr, zudem ist das Höchstziel niedriger angesetzt. Eingeführt wird auch eine Clawback-Regelung, wie sie bei anderen Firmen üblich ist. SAP kann ausgezahlte Boni zurückfordern, „wenn sich später herausstellt, dass die Auszahlung ganz oder teilweise zu Unrecht erfolgt ist“.

SAP kündigte zudem den Plan an, den Aufsichtsrat umzubauen. Auf der nächsten Hauptversammlung stehen der langjährige SAP-Manager Gerhard Oswald und die Juristin Friederike Rotsch zur Wahl. Zudem sollen die Aktionäre die Intel-Strategiechefin Aicha Evans im Amt bestätigen, die dem Gremium seit dem vergangenen Jahr angehört, aber bislang nur gerichtlich bestellt ist.

Gerhard Oswald stieß 1981 zu SAP und war ab 1996 im Vorstand tätig. Nach seinem Ausscheiden Ende 2016 erhielt er einen Beratervertrag – nun bekommt er wieder eine offizielle Aufgabe: Nach dem Ende der gesetzlichen Cooling-Off-Periode soll er ab Anfang 2019 Anja Feldmann ersetzen. Die Informatikerin leitet seit Januar das Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken.

Chefaufseher Plattner hob die Personalie in einer Mitteilung hervor. „Als ehemaliges Vorstandsmitglied und langjähriger Wegbegleiter“ kenne Oswald SAP „wie kaum ein anderer“. Mit seinem Wissen über Unternehmen, Kunden und Märkte werde er „ein großer Gewinn für den Aufsichtsrat sein“.

Die Äußerung lässt es anklingen: Der 64-jährige Oswald würde sich als Nachfolger des 74-jährigen Plattner eignen, mindestens übergangsweise. Der hatte im Mai 2017 erklärt, sich „bei guter Gesundheit“ 2019 noch einmal auf Aufsichtsratschef zur Wahl stellen zu wollen, aber nicht für eine volle Amtszeit. Nach dem Abgang von Jim Hagemann Snabe hatten Investoren moniert, dass es an potenziellen Nachfolgern fehle. Die interne Altersgrenze für den Aufsichtsrat liegt bei 75 Jahren.

Friederike Rotsch leitet beim deutschen Chemie- und Pharmakonzern Merck die Abteilung Recht und Compliance. Sie soll auf Wilhelm Haarmann folgen, der Partner der Kanzlei Linklaters ist. Er gehört dem Aufsichtsrat seit 1988 an und gilt als Vertrauter von Plattner.

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