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Unesco-Entscheidung Dresden: Kein Kulturerbe mehr, was soll's…

Na und? Jetzt ist Dresden kein Unesco-Kulturerbe mehr. Kein Teil mehr eines Clubs, der mit über 800 Mitgliedern weniger exklusiv ist, als oft dargestellt. Wie viele meine Heimatgenossen halte ich Dresden nach wie vor für die schönste Stadt der Welt – mit Abstand.

Das Welterbekomitee der Unesco Quelle: dpa

Die Neustadt hat nichts von ihrem Flair verloren. Wir haben weder den Zwinger abgerissen noch eine Autobahn vor der Semperoper errichtet – der Eindruck aber entsteht, liest man die Kommentare in vielen Zeitungen am heutigen Tag.

Es geht um eine Brücke, die mehrere Kilometer von der historischen Altstadt entfernt die Elbe überqueren wird, eine Brücke, die die weltberühmte aber altersschwache Stahlbrücke „Blaues Wunder“ entlasten und eines Tages ersetzen soll. Die Waldschlösschenbrücke wird geradezu ein Schmuckstück sein im Vergleich zu den Plattenbauten, die das DDR-Regime in der Stadt errichten ließ – und vielleicht auch ein Schmuckstück gegenüber so manchem Bauwerk aus jüngerer Vergangenheit.

Ja, ich habe im Bürgerentscheid für die Waldschlösschenbrücke gestimmt, wie 68 Prozent der Dresdner. Und sie ist für mich noch immer die beste Variante. Durch einen Tunnel können keine Fußgänger laufen, keine Fahrradfahrer fahren. Zudem wird derjenige, der die neue Brücke einmal überqueren wird, einen einzigartigen Blick auf die Stadt erhalten. Wer in letzter Zeit mal in Dresden war, dem dürften an vielen Autos gelbe Aufkleber aufgefallen sein. Darauf steht „Brücken verbinden“ – genau das ist der Sinn einer Flussüberquerung.

Na gut, ich bin nicht begeistert darüber, dass die Unesco Dresden von der Liste gestrichen hat. Genaugenommen habe ich gestern Abend noch schnell eine E-Mail an die Organisation geschrieben, in der ich sie für die „lächerliche Entscheidung“ beschimpft habe – natürlich nicht unflätig. Aber die Mehrheit der Dresdner, das zeigen Umfragen, kann auf den Titel verzichten. Und dass liegt sicher nicht nur daran, dass wir gerade erst Barack Obama zu Besuch hatten. Nein, wir lieben einfach unsere Stadt.

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