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United Technologies Im Fahrstuhl ans Licht

Louis Chênevert, der Chef des US-Mischkonzerns United Technologies (UTC) über das Geschäft mit Aufzügen, Hubschraubern, Flugzeugtriebwerken und Klimaanlagen.

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President of Pratt & Whitney Quelle: REUTERS

WirschaftsWoche: Herr Chênevert, UTC gehört zu den am wenigsten bekannten Großunternehmen der USA, obwohl es mit den Aufzügen von Otis, Sikorsky-Hubschraubern oder den Klimaanlagen von Carrier Weltmarken hat. Sind Sie gerne unbekannt?

Chênevert: Bei Investoren sind wir als United Technologies wegen unserer guten Zahlen bekannt. Wir möchten aber ebenso bekannt sein für unsere innovativen und energieeffizienten Produkte.

Das klingt etwas wolkig.

Nehmen Sie unser besonders sparsames Flugzeugtriebwerk PurePower, das wir zusammen mit MTU aus Deutschland bauen. Da mussten wir uns noch vor zwei Jahren harte Fragen gefallen lassen, warum macht ihr das, wo doch Airbus und Boeing noch lange Zeit kein neues Flugzeug auf den Markt bringen? Doch ich habe gesagt, wir wollen bereit sein, wenn ein neuer Wachstumszyklus kommt. Nun gibt es mit dem A320 NEO von Airbus, der C-Serie von Bombardier, der MS-21 der russischen Irkut sowie dem MRJ von Mitsubishi aus Japan bereits vier Hersteller, die das Triebwerk wollen. Diese Weitsicht und Innovationskraft sollen Kunden aller unserer Töchter mit dem Namen UTC verbinden.

Was bringt UTC der höhere Bekanntheitsgrad noch?

Wenn wir weiter wachsen und Technologieführer bleiben wollen, brauchen wir weltweit die talentiertesten Leute. Die erreichen wir leichter, wenn wir nicht nur bei Ingenieuren für Aufzugbau als Otis oder in der Flugbranche als Pratt & Whitney oder Sikorsky bekannt sind, sondern bei allen High-Tech-Fachleuten auch als der Technologiekonzern United Technologies.

UTC-Grafik

Sind denn Ihre Aussichten so rosig? Die Luftfahrtbranche boomt, aber Otis, Carrier mit seinen Klimaanlagen und das Sicherheitsgeschäft UTC Fire & Security hängen am Immobiliengeschäft.

Und da stehen die Zeichen eher auf Krise.

Das lese ich auch immer wieder, aber nicht in unseren Zahlen.

Und was lesen Sie da, besonders für Ihren wichtigsten Markt, die USA?

Da laufen unsere Geschäfte gut. Es werden weniger neue Häuser gebaut. Aber das macht uns keine Sorgen.

Wie das?

Zum einen stammen inzwischen gut 60 Prozent unserer Umsätze von außerhalb der USA. Aber auch in den USA gibt es 93 Millionen Klimaanlagen. Die haben eine Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren und werden nicht zuletzt angesichts der wachsenden Energiepreise in naher Zukunft ersetzt.

Spätestens angesichts der hohen Temperaturen, die gerade in den USA herrschen, fragt sich jeder: Ist es nicht besser, statt den kaputten Kompressor zu reparieren, das ganze Gerät auszutauschen, wenn sich das über den niedrigeren Stromverbrauch schnell rechnet? Zudem erwarten wir mit Haustechnik und Klimaanlagen für Unternehmen ein schönes Wachstum. Auch in den Schwellenländern sehen wir große Möglichkeiten.

In Asien, vor allem in Japan und China lahmt aber das Immobiliengeschäft.

Nicht bei uns. Eine unserer wichtigsten Messgrößen für die Baukonjunktur ist die Zahl neu bestellter Aufzüge. Sicher, in Chinas Küstenstädten wird weniger gebaut. Aber das macht das Inland mehr als wett. Vor ein paar Jahren haben wir dort nur 20 Prozent aller Aufzüge in China verkauft. In ein, zwei Jahren sind es 40 Prozent. Dazu treibt die Regierung ihr Programm für mehr Lebensqualität und damit mehr Umweltschutz voran. Da gehören wir mit stromsparenden Aufzügen und Klimaanlagen zu den Nutznießern.

In Ihrer Liste fehlt Indien. Ihr Vorgänger George David klagte, die Bürokratie dort behindere das Wachstum.

Es ist sicher nicht der einfachste Markt. Aber wir haben in Indien seit 2005 von 100 auf 500 Millionen Dollar Umsatz zugelegt und stehen da, wo wir in China vor zehn Jahren waren. Darum glaube ich, dass wir 2015 in Indien einen Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar erreichen.

UTC sitzt auf mehreren Milliarden Dollar Bargeld. Wollen Sie Ihr Wachstum wie -bisher durch Zukäufe antreiben?

Ja. Interessant ist das besonders bei unserem Fire & Security genannten Geschäft mit der Gebäudesicherheit. Zudem sehe ich Deals im Servicebereich unseres Fluggeschäfts.

Ihr größter Geschäftsbereich ist die Luftfahrt, wo es 2011 eine Orderflut gab. Um die Großaufträge der jüngeren Zeit ab-zuarbeiten, müssten allein Airbus und Boeing ihre Produktion in 20 Jahren mehr als verdoppeln. Ist das zu schaffen?

An uns wird es jedenfalls nicht scheitern. Denn wir stellen ständig neue Leute ein – in diesem Jahr allein 300 Ingenieure für die Arbeit am Airbus A320 NEO.

Was macht Sie so sicher, dass nicht am Ende steigende Preise für den Sprit und wachsende Umweltauflagen das Wachstum in der Luftfahrt bremsen?

Die Nachfrage gerade in Asien ist da. Zudem sehe ich besonders bei den Linien aus den USA eine neue Stufe der Leidenschaft bei der Suche nach Produkten, die wie unser PurePower Triebwerk das Spiel nachhaltig verändern.

Weil es gut 15 Prozent weniger Sprit verbraucht?

Nicht nur. Immer mehr Fluglinien wollen PurePower, weil es auch deutlich leiser ist. Leisere Flugzeuge können Gegenden überfliegen, die lauteren verwehrt sind. Das spart bis zu fünf Prozent der Reisezeit und senkt den Spritverbrauch. Zudem sind viele Flughäfen für leisere Maschinen länger geöffnet. Damit schaffen die Airlines oft einen zusätzlichen Flug pro Tag.

Wenn Ihr neues Triebwerk so gut ist: Wann wird es denn auch bei großen Langstreckenflugzeugen eingesetzt?

Noch nicht. Im Moment haben wir mit der Mittelstreckenversion genug zu tun. Vor der Langstrecke werden wir diesen Triebwerkstyp in den Geschäftsreiseflugzeugen sehen.

Das könnte doch ein schöner Anlass für UTC sein, vom Zulieferer zum Hersteller zu werden. Sikorsky hat sich 2010 an Eclipse beteiligt, dem krisengeschüttelten Hersteller von Geschäftsreiseflugzeugen. Wann soll Eclipse die vor zwei Jahren eingestellte Produktion wieder aufnehmen?

Langsam. Sikorsky hat durch diese Investition sein profitables Wartungs- und Servicegeschäft gestärkt. Eclipse hatte 400 Maschinen produziert, die Reparaturen und Ersatzteilen brauchen. Es ist eine Option, aber noch ist es zu früh, um über den Neustart der Produktion zu reden.

Warum? Die Geschäftsfliegerei gilt doch gerade jetzt als Wachstumsgeschäft.

Bisher hat sich nur das obere Segment erholt, und das vor allem in Asien.

Ich denke 2011 gibt es einen Aufschwung, doch neue Rekordstände frühestens 2014.

UTC hat in den USA auch ein großes Rüstungsgeschäft. Leiden Sie unter den schrumpfenden Verteidigungsetats?

Im Gegenteil. Wir sind am neuen Tankflugzeug für die US-Luftwaffe beteiligt und spielen beim Joint Strike Fighter, dem Kampfflieger der nächsten Generation, eine zentrale Rolle. Denn wir bringen eine zentrale Fertigkeit unseres Zivilgeschäfts ein: Wir wissen, wie man Programme kostengünstiger macht. Als Technologiekonzern liegt es in unserem Erbgut, mehr mit weniger herzustellen.

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