WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Unternehmen Wachsende Angst vor feindlichen Übernahmen

Seite 2/4

Feinde auf dem Vormarsch

Entwicklung feindlicher Übernahmen

Banker Tschöke erwartet eine wachsende Zahl feindlicher Angebote, die bereits deutlich zugenommen haben. Während ihr Anteil an allen Übernahmeangeboten weltweit 2009 bei elf Prozent lag, sind es derzeit 18 Prozent (siehe Grafik).

Auch Dax-Konzerne könnten schnell ins Visier geraten. Als attraktives Ziel gilt in Finanzkreisen der Düngemittelhersteller K+S. Auch um den IT-Konzern Infineon gibt es verschärfte Spekulationen.

Umso hitziger entbrennt die politische Diskussion um einen besseren Schutz deutscher Unternehmen am Fall Hochtief. In der Kritik steht Interessent ACS vor allem deshalb, weil die Spanier bereits knapp 30 Prozent an Hochtief besitzen. Den übrigen Aktionären haben sie nun ein Angebot gemacht hat, das gerade so den gesetzlichen Mindestanforderungen entspricht. Die errechnen sich aus dem Durchschnittskurs der Hochtief-Aktie drei Monate vor Abgabe der Offerte.

Wenn ACS nun die Schwelle von 30 Prozent überschreitet, kann das Unternehmen Hochtief-Aktien am Markt kaufen, ohne mit einem weiteren Pflichtangebot nachbessern zu müssen. Kritiker sehen darin ein „Anschleichen“ auf Kosten der Aktionäre, die so vermutlich keine Prämie für den Kontrollwechsel kassieren.

Unterstützung erfährt diese Haltung von renommierten Juraprofessoren wie Uwe Schneider und Heribert Hirte. Sie verweisen auf die Gesetze anderer Länder. So ist etwa in Großbritannien vorgesehen, dass ein Aktionär, der bereits mit mehr als 30, aber noch nicht 50 Prozent an einem Unternehmen beteiligt ist, ein erneutes Angebot machen muss, wenn er mindestens zwei Prozent der Aktien hinzukauft. Ähnliche Regeln gibt es in Österreich, Frankreich, Italien und der Schweiz.

Verteidiger der derzeitigen Regelung meinen dagegen, dass sich diese bewährt habe und der Schutz der Aktionäre ausreiche. So sei das deutsche Recht etwa bei der Preisfindung für das erste Angebot und bei Abfindungen beim Ausschluss von Restaktionären strenger als in vielen anderen Ländern. Zudem ist es fraglich, ob es die Aufgabe der Politik ist, Übernahmen zu verhindern, und das würde auch nicht gelingen, wenn jetzt eine weitere Schwelle eingeführt wird. „Kein Aktionär ist dazu gezwungen, seine Anteile zu verkaufen“, sagt auch Jan Wildberger, Anwalt bei der Kanzlei Simmons &  Simmons in Frankfurt.

Anschleichen verboten

Die wenigen Fälle, in denen eine Intervention aus Berlin möglich ist, sind bereits im 2008 geänderten Außenwirtschaftsgesetz geregelt. Demnach hat die Regierung ein Vetorecht, wenn eine Übernahme die öffentliche Sicherheit und Ordnung betrifft. Bisher hat sie davon keinen Gebrauch gemacht. „Wenn die Politik jetzt per Gesetz mit zusätzlichen Erschwernissen in einen laufenden Prozess eingreift, wäre das ein Imageschaden für den Standort Deutschland“, sagt Anwalt Wildberger. Bei Käufern aus dem Ausland genieße der auch wegen der stabilen Rechtslage Ansehen.

Änderungen befürworten Fachleute allerdings in Fällen wie der versuchten Übernahme von Volkswagen durch Porsche. Der Autobauer hatte lange offiziell verkündet, den weit größeren Konzern nicht übernehmen zu wollen, und gleichzeitig im Verborgenen große Positionen aufgebaut. Ähnlich ging Schaeffler bei der Übernahme von Continental vor.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%