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Unternehmen Wachsende Angst vor feindlichen Übernahmen

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Hochtief-Mitarbeiter demonstrieren gegen eine Übernahme durch ACS Quelle: Foto: Picture-Alliance/DPA/Bernd Thissen

Beide Fälle sind jedoch nicht mit der geplanten ACS-Übernahme von Hochtief vergleichbar. Denn die Käufer umgingen mithilfe komplizierter Kapitalmarktinstrumente, sogenannter „Cash-Settled Swaps“, die geltenden Meldefristen, sodass ihre Pläne für das Management der Zielunternehmen nicht erkennbar waren. Das Anschleichen auf diesem Weg soll nun gesetzlich verboten werden. Das halten Experten auf breiter Front für sinnvoll.

Einen grundsätzlichen Wettbewerbsnachteil deutscher Unternehmen sehen viele Experten nicht. „Verbesserungen im Detail sind aber sicher möglich“, sagt Anwalt Wildberger. So könne ACS die Übernahme nach spanischem Recht komplett mit eigenen Aktien aus einer Kapitalerhöhung bezahlen. Umgekehrt sei das für deutsche Firmen nicht möglich.

Eine mögliche Verbesserung des Schutzes der Altaktionäre wäre nicht nur bei unfreundlichen Angeboten relevant. So hat die Deutsche Bank vor wenigen Wochen den Aktionären der Postbank ein Angebot zur Übernahme ihrer Anteile gemacht. Auf eine Prämie müssen sie verzichten: Mit 25 Euro pro Aktie liegt die Offerte genau bei der gesetzlich vorgeschriebenen Mindesthöhe. Damit bekommen die Anteilseigner deutlich weniger als der bisherige Großaktionär Deutsche Post. Anfang 2012 erhält dieser für gut 27 Prozent an der Postbank entsprechend einer früheren Vereinbarung 45 Euro pro Aktie.

Das empört Aktionärsschützer. „Aber kein Politiker hat Gesetzesänderungen gefordert“, ärgert man sich im Umfeld des Hochtief-Angreifers ACS. Die Deutsche Bank hat bereits einen größeren Stellenabbau bei der Postbank angekündigt.

Den befürchtet der Hochtief-Betriebsrat auch bei einer Übernahme durch die Spanier: „ACS hat gezeigt, wie es mit übernommenen Unternehmen umspringt. Wir sagen dazu: Vorsicht. Nicht mit uns. Finger weg von Hochtief!“, protestiert er auf seiner Web-Seite www.nein-zu-acs.de.

Meist gehen ausländische Käufer jedoch mit ihrem neuen Eigentum nicht übertrieben ruppig um: Nach einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist die Übernahme durch ausländische Investoren „in der Regel nicht mit einem drastischen Beschäftigungsabbau verbunden“. Zudem seien die Betriebe überdurchschnittlich produktiv und exportorientiert. Die Angst vor einem Ausverkauf ist zudem unbegründet: Nach den DIW-Zahlen haben nur etwa drei Prozent der Unternehmen in Deutschland ausländische Eigentümer.

Banker erwarten, dass deutsche Unternehmen in nächster Zeit mindestens ebenso viel im Ausland zukaufen werden wie Ausländer in Deutschland. Dabei kämen sie meistens problemlos zum Zuge.

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