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Unternehmen Wachsende Angst vor feindlichen Übernahmen

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In einigen prominenten Fällen allerdings nicht: So scheiterte E.On 2007 mit der Übernahme des spanischen Versorgers Endesa, wobei auch die Regierung in Madrid mitmischte –  zum Missfallen der EU-Kommission. Andere feindliche Übernahmen gelangen. 2006 etwa kaufte der Chemieriese BASF das US-Unternehmen Engelhard. Die Chefetage des Katalysatorenherstellers hatte sich zunächst gewehrt. BASF konnte aber die Aktionäre überzeugen. Aus Washington gab es keine Unterstützung für Engelhard.

Schon der Begriff „feindlich“ weckt Ängste. Die sind oft unbegründet. „Feindliche Übernahmen laufen nicht häufiger auf eine Zerschlagung des Unternehmens oder einen Abbau vieler Stellen heraus“, sagt Morgan-Stanley-Banker Tschöke.

Keine grossen Entlassungen

2004 etwa übernahm der französische Medikamentenhersteller Sanofi gegen den Widerstand des Managements den größeren Konkurrenten Aventis – ein französisch-deutsches Unternehmen, in dem der Höchst-Konzern aufgegangen war. Frankreich wollte einen nationalen Champion schaffen und unterband sogar eine Gegenofferte des Schweizer Pharmakonzerns Novartis für Aventis. Die deutsche rot-grüne Bundesregierung blieb dagegen neutral. Die Befürchtung, Sanofi werde in großem Stil deutsche Arbeitsplätze abbauen, traf nicht ein.

Hochtief könnte den Angriff aus Spanien auch noch ohne politischen Beistand abwehren. Die Essener hoffen auf Australien. Am Sitz der 54,5-Prozent-Tochter Leighton versucht Hochtief ACS dazu zu zwingen, auch für die Leighton-Minderheitsaktionäre ein Angebot abzugeben.

Darüber entscheidet in den kommenden Wochen das Takeovers Panel. Es prüft, ob Grundprinzipien des Übernahmerechts verletzt werden und „unzumutbare Umstände“ vorliegen, also etwa Minderheitsaktionäre übervorteilt werden.

Wenn Hochtief das Panel überzeugen kann, dass ACS vor allem auf die hochprofitable Perle Leighton zielt, könnte dieses ein Pflichtangebot vorschreiben. Das würde für ACS teuer: Anders als beim Angebot für Hochtief selbst dürften die Spanier die Leighton-Aktionäre nicht mit ACS-Aktien abfinden, sondern müssten mehr als drei Milliarden Euro bar auf den Tisch legen.

Das könnte die Finanzkraft der Spanier überfordern. Deshalb dürfte das offizielle Angebot für Hochtief, das ACS bis Mitte November bei der deutschen Finanzaufsicht BaFin einreichen wird, eine Klausel enthalten: Demnach würde ACS bei einer Entscheidung des Panels zugunsten von Hochtief automatisch zurückziehen.

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