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Unternehmensberatung Roland Berger "Weiter wursteln gilt nicht"

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Hat die Krise die Bezahlung geändert?

Wenig – und wenn, dann stark vom jeweiligen Projekt abhängig. Zwar werden mehr Aufträge als früher erfolgsabhängig vergütet, falls der Erfolg kurzfristig und konkret messbar ist: Bei Projekten etwa, die den Einkauf betreffen, lässt sich relativ leicht eine Ersparnis feststellen. Auch bei Unternehmensübernahmen durch einen Finanzinvestor kann das Ergebnis gut nachvollziehbar sein. Aber bei vielen anderen Projekten ist der Erfolg in kurzer Zeit kaum zu quantifizieren. Erfolgsabhängige Bezahlung könnte dann im Gegenteil die Neigung zu kurzfristigen Erfolgsmeldungen befördern und dadurch die Objektivität der Beratung gefährden. Das ist nicht im Sinne unserer Klienten.

Was wollen die Unternehmen von Ihnen wissen, nachdem der größte Einbruch nach dem Krieg überwunden ist?

Beratungsprojekte, bei denen es um Wachstum geht, werden nach unserer Einschätzung wie schon im Vorjahr im Vordergrund stehen. Hinzu kommen der Kauf- und Verkauf von Unternehmen. Wir gehen davon aus, dass das M&A-Geschäft deutlich anzieht...

...also das Geschäft mit Firmenübernahmen und -fusionen.

Die Finanzinvestoren haben viel Geld angesammelt und suchen nach Anlagemöglichkeiten. Allerdings werden die Private-Equity-Firmen, die Unternehmen oder Beteiligungen erwerben, diese länger als früher halten müssen. Daraus resultiert neuer Beratungsbedarf. Um die Rendite zu steigern, brauchen Finanzinvestoren Hilfe bei Restrukturierungs- und Kostensenkungsprogrammen.

In welchen Branchen sehen Sie die größte Nachfrage nach Beratungsleistungen?

Neuorientierungen stehen zum Beispiel im Finanzdienstleistungssektor und in der Pharmabranche an. Die Finanzdienstleister müssen stärker mit regulierten Märkten leben und ihre Geschäftsmodelle anpassen. Im Pharmasektor steht eine Konsolidierungswelle bevor. Und schließlich kommt als globales Beratungsthema der richtige Umgang mit den Veränderungen durch das Web 2.0 und Social-Media-Plattformen wie Facebook hinzu. Befassen muss sich damit jeder, Mittelständler ebenso wie weltweite Konzerne. Jeder braucht ein eigenes Konzept.

Unternehmen und Politiker beunruhigt die Zukunft des Euro. Wäre es nicht besser, die D-Mark wieder einzuführen?

Nein, Deutschland mit seiner hohen Exportquote gehört zweifellos zu den Nutznießern des Euro. Mit einer Rückkehr zur D-Mark oder einer Zweiteilung des Euro-Raums in einen harten Nord- und einen weichen Süd-Euro würden wir das Wachstum hierzulande abwürgen. Schließlich ist nicht der Euro per se das Problem, sondern die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit von Ländern an der Peripherie und die Zahlungsbilanzüberschüsse einiger Staaten, vor allem Deutschlands. Darauf folgt die dramatische Verschuldung der Südländer.

Wie lässt sich das ändern?

Um einen Konsens zwischen Politik und Notenbanken zur Lösung dieser Probleme wird ja offenbar hart gerungen. Die Peripherie- und Süd-Länder brauchen – an Auflagen gekoppelte – Hilfe aus EU-Strukturfonds und aus dem Rettungsfonds, um eine wettbewerbsfähige Wirtschaft auf- und Schulden abzubauen. Die EU benötigt außerdem ein geordnetes Insolvenzverfahren für Staaten, die über ihre Verhältnisse leben. Und einen gemeinsamen EU-Finanzminister, unter dem die Krise wohl gar nicht erst entstanden wäre.

Der Rettungsschirm für Defizitländer wie Griechenland oder Irland schont die Schuldenmacher, ebenso der jetzt diskutierte teilweise Schuldenerlass.

Der Rettungsschirm wirkt wie eine Zwischenfinanzierung für Unternehmen, die in Schieflage geraten sind. Ohne ihn hätte Portugal keine Staatsanleihen mehr begeben können. Würden Griechenland und andere Südländer heute umgeschuldet, würde das deren Bankensysteme und dadurch auch das der starken Länder destabilisieren. Dann wären die Ersparnisse von Bürgern, Versicherungen und Unternehmen, zum Beispiel über Pensionskassen, gefährdet.

Keine Kritik an der deutschen Regierung?

Nein. Patentlösungen für die Euro-Krise gibt es nicht. Berlin verhält sich verantwortungsvoll und weitsichtig, und was beschlossen wurde, wirkte vertrauensbildend. Die derzeit realistischste Lösung liegt vermutlich darin, die öffentliche Akzeptanz für eine Brückenfinanzierung der starken EU-Staaten zu gewinnen und die Wettbewerbsfähigkeit der Süd- und Peripheriestaaten schrittweise anzugleichen. Mittel- und langfristig müssen wir verhindern, dass es wieder zu einer solchen Schieflage kommt, und Gegenmittel parat halten. Einfach weiter wursteln gilt nicht. 

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