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Unternehmerfamilie Das Merckle-Imperium zerfällt

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Ziems ist der Spitzenvertreter einer ganzen Phalanx von Beratern und Anwälten, die nun alle am Abverkauf der Merckle-Unternehmen gut verdienen. Als Treuhänder sind zum Beispiel der Wirtschaftsanwalt Klaus Hubert Görg, Partner der gleichnamigen Kanzlei, und dessen Kollege Martin Stockhausen mit von der Partie; ebenso der frühere KPMG-Deutschland-Chef Harald Wiedmann.

Die Treuhänder sollen beim Verkauf von Ratiopharm, Heidelberg Cement oder Phoenix zwischen der Merckle-Familie und den Gläubigerbanken vermitteln. Sie sollen zudem noch weitere Berater beauftragen – Investmentbanker sowie Spezialisten für Unternehmenskäufe.

Etliche Sanierungsexperten kämpfen sich derzeit durch die Verästelungen der Merckle-Unternehmen. „Sehr komplex und sehr intransparent ist das alles“, sagt einer von ihnen. Merckle wurde zeitlebens ein Faible für Verschleierungen und steueroptimierte Lösungen nachgesagt.

Merckle stürzte in ein finanzielles Desaster

Um den Banken nicht ganz ausgeliefert zu sein, haben die Merckles ihrerseits Verbündete angeheuert. Die Familie bedient sich des Sanierungsspezialisten Eberhard Braun, Namensgeber der Kanzlei Schultze & Braun aus Achern bei Karlsruhe. Adolf Merckle hatte Braun Ende vergangenen Jahres engagiert, um ihm bei den Verhandlungen mit den Gläubigerbanken beizustehen.

Merckle hatte bei Heidelberg Cement größere Kapitalerhöhungen vorgenommen – doch in der Krise geriet ihm die Finanzierung außer Kontrolle. Für die Übernahme des britischen Wettbewerbers Hanson hatte sich Heidelberg Cement hoch verschuldet. Die Banken, allen voran die Royal Bank of Scotland, wurden nervös.

Zudem hatte sich Merckle im großen Stil mit VW-Aktien verspekuliert, da er auf fallende Kurse gewettet hatte. Dabei wurde er wie zahlreiche Hedgefonds kalt erwischt, weil Porsche erklärte, 75 Prozent von VW zu erwerben. So stieg der VW-Kurs auf über 1000 Euro; Merckle verlor einen dreistelligen Millionenbetrag.

Merckle stürzte in ein finanzielles Desaster. Anfang Januar brachte er sich um. Er hinterließ seine Ehefrau Ruth und die vier Kinder Ludwig, Philipp, Tobias und Jutta.

„Ein Problem hätte Merckle noch lösen können. Mit zwei Problemen – Heidelberg Cement und den VW-Aktien – ist er aber nicht mehr fertig geworden“, sagt einer, der bei den Verhandlungen dabei war.

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