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Urheberrecht Schauprozess gegen die Cyberpiraten

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Kundgebungen vor Gericht Quelle: tpbtrialimages.blogspot.com

Das sieht das schwedische Anti-Piraterie Büro allerdings anders und rechnet vor, was der Filmindustrie durch die Cyberpiraten an Geld durch die Lappen geht.  Demnach würde eine weltweite Lizenz zum Vertrieb der Daten The Pirate Bay 700.000 schwedische Kronen kosten, umgerechnet rund 64.000 Euro. "Fraglich ist jedoch, ob die Personen, welche die Dateien über BitTorrent tauschen, diese auch wirklich alle käuflich erwerben würden", entgegnet die Verteidigung.

Schlecht vorbereitete Anwälte ohne Beweise

Das Verfahren hat sich mittlerweile zu einer Farce entwickelt, die sich die Anklage so nicht vorgestellt hat: Die Staatsanwaltschaft patzte nicht nur bei der Beweisführung, die darlegen sollte, inwieweit The Pirate Bay urheberrechtlich geschütztes Material verbreitet. Sie strahlte auch sonst keine technische Versiertheit aus. Denn Staatsanwalt Håkan Roswall kämpfte eine knappe Viertelstunde mit seinem Laptop bis ihn der Richter aufforderte, die Zeit des Gerichts nicht zu verschwenden und stattdessen mit Stift und Papier fortzufahren.Ob der Ausgang des Verfahrens so viel verspricht, wie sich die Verbände das vorgestellt haben, ist zudem fraglich. Denn die Signalwirkung geht bislang eher in die entgegengesetzte Richtung. So sammelte Norwegens Bildungsminister Bård Vegar Solhjell vergangene Woche in seinem Blog schon Argumente dafür, warum privates Filesharing legalisiert werden sollte.

Das Gegenteil von klaren Signalen ist der Fall

Auch zeigten Verfahren in der Vergangenheit eher andere Resultate: Als Mitte Juli 2001 die Tauschbörse Napster nach einem spektakulären Verfahren geschlossen wurde, wichen die Nutzer schnell auf andere Angebote aus - unter anderem auf Pirate Bay.

Auch als die MPAA im Juli 2006 Server des populären Dienstes Edonkey schließen ließ, wurde das Angebot an Raubkopien nur für kurze Zeit reduziert, die Filesharer entwickelten schnell Techniken, um sich zu mehreren Diensten gleichzeitig zu verbinden und somit das Angebot wieder zu erhöhen.

Auch die Server der Pirate Bay in Schweden wurden nach einer Razzia im Jahr 2006 abgeschaltet, doch das Portal stellte sich innerhalb von wenigen Tagen in den Niederlanden auf und läuft mittlerweile wieder in Schweden. Nach einer noch laufenden Untersuchung an der niederländischen TU Delft könnte die Infrastruktur des Bittorrent-Netzwerkes zuammenbrechen, wenn die Pirate Bay Server in Schweden ausfallen würden - allerdings geht die Studie nur von den derzeit existierenden Servern aus, es ist gut möglich, dass innerhalb kürzester Zeit neue Systeme auf den Markt kämen.

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