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US-Autobauer Chrysler wendet sich von Magna ab

Die Meldung klingt genau nach dem, wovor den Autozulieferer Magna viele gewarnt haben: Chryslers neuer Eigentümer Fiat entzieht Magna nun die Fertigung ganzer Modelle. Mit der Opel-Übernahme hat Fiats Entschluss aber wenig zu tun.

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Das Chrysler-Logo an einem Quelle: AP

Unruhige Zeiten für den weltweit drittgrößten Autozulieferer Magna: Wie heute bekannt wurde, soll der kanadisch-österreichische Konzern für Chrysler künftig keine Autos mehr bauen. Nach Informationen aus Branchenkreisen verliert Magna die Fertigungsaufträge, soll aber weiter Autoteile an Chrysler liefern.

Mit Magnas Übernahme von Opel hat dies auf den ersten Blick nur wenig zu tun: Fiat-Chef Sergio Marchionne, der nach der Übernahme des US-Autobauers durch die Italiener auch Chrysler führt, wolle wieder mehr im eigenen Haus produzieren, hieß es in dem Bericht. Das macht durchaus Sinn - denn Marchionne will mit der Chrysler-Übernahme ja einen weltumspannenden Autokonzern schmieden. Da die Autobranche zur Zeit ohnedies mit Überkapazitäten kämpft, ist der Schritt von Fiat gut nachvollziehbar.

Doch auf den zweiten Blick ist auch Konkurrenz im Spiel: Denn Fiat hat selbst einst mit Magna um Opel gerungen und will sich als starker Gegenspieler zu General Motors und Opel etablieren. Marchionne will künftig Chrysler-Modelle, die zuvor bei Magna gebaut wurden, in einer neu erworbenen Fabrik in Italien produzieren lassen, die ausgebaut werden soll. Das berichtete die Online-Ausgabe des „Wall Street Journal“ heute. Magna wollte am Mittwoch die Informationen nicht kommentieren. Von Fiat gab es keine Stellungnahme.

Für den Autozulieferer, der zusammen mit russischen Partnern Opel übernehmen will, wäre der komplette Entzug der Chrysler-Fertigung unangenehm - ein Desaster wäre es aber kaum. Denn Chrysler ist in Europa schon lange kein bedeutender Magna-Kunde mehr: Nach Informationen aus Branchenkreisen hatte Magna für Chrysler im vergangenen Halbjahr in Österreich noch gut 1.000 Autos der Modelle 300C und Jeep Grand Cherokee gebaut.

Dennoch dürfte der Fertigungsentzug das Magna-Management nachdenklich stimmen. Denn auch VW überlegt, Aufträge von Magna abzuziehen.  Der Abzug der Autoproduktion ist laut „WSJ“-Online vornehmlich die Fortsetzung der Fiat-Strategie, die Kontrolle über Chryslers Fertigung zu erlangen. Bereits zuvor hätte der Fiat-Chef nach dem Einstieg bei Chrysler dafür gesorgt, dass der US-Autohersteller einige Partnerschaften wie jene mit den japanischen Autobauern Nissan und Mitsubishi beendete.

Obwohl der italienische Konzern zunächst nur mit 20 Prozent bei Chrysler an Bord ist, verfügt Fiat über Rechte, die dem Autobauer die Kontrolle über das US-Unternehmen verleihen.

Laut Branchenkennern ist aber auch die Schwächung des Opel/Magna- Verbundes nicht von der Hand zu weisen. Auch andere Autokonzerne sehen dieses Geschäft kritisch und haben, wie beispielsweise Volkswagen, dem österreichisch -kanadischen Zulieferer bereits mit einem Auftragsstorno gedroht. Fiat plane, in das neu erworbene italienische Werk in den kommenden drei Jahren 150 Millionen Euro zu investieren, heißt es in der „WSJ“-Onlineausgabe weiter.

Das Werk, das ehemals dem früheren Karosseriebauer Bertone gehörte, verfügt über eine Produktionskapazität von jährlich 70 000 Fahrzeugen. Chrysler verbucht im europäischen Markt derzeit besonders starke Absatzeinbußen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres verkaufte der Autobauer in Europa lediglich knapp 38.000 Fahrzeuge. Dies ist ein Minus von knapp 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, womit Chrysler Schlusslicht aller Hersteller ist, die in Europa unter dem Einbruch durch die Autokrise leiden.

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