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US-Autobauer Die Wiederauferstehungs-Pläne von General Motors

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GM-Elektroroller Puma: Endlich die Zeichen der Zeit erkannt Quelle: AP

Auch finanziell wird der Konzern runderneuert. Beim Gang in die Insolvenz hatte GM zwar brutto 173 Milliarden Euro Schulden. Doch die Nettoschulden von 54,4 Milliarden Dollar schrumpften auf 17 Milliarden. Allein die privaten Gläubiger schreiben rund 28 Milliarden ab und erhalten im Gegenzug zehn Prozent der Anteile an New GM. Die Gewerkschaft UAW, deren Gesundheitsfonds auf 20 Milliarden verzichtet, bekommt 17,5 Prozent. Den Löwenanteil an New GM – rund 72 Prozent – halten künftig die Regierungen der USA und Kanadas. Im Gegenzug pumpen sie weitere 30 Milliarden ins Unternehmen.

Damit das Geld der Steuerzahler nicht in Windeseile verbrennt, hat Rattner die Kosten gedrückt. Selbst ehemalige Führungskräfte müssen den Gürtel enger schnallen. Firmenrenten von mehr als 100 000 Dollar pro Jahr werden um rund ein Drittel gekürzt, berichtet die Zeitung „Detroit News“. Der geschasste GM-Chef Rick Wagoner, für viele Amerikaner die Personifizierung von Old GM, könnte so bis zu 15 Millionen Dollar verlieren.

Berater fordern raschen Austausch von GM-Führungskräften

Die meisten Schadensersatzansprüche richten sich künftig gegen Old GM. Zu ihrer Begleichung stattet die Regierung den Torso mit 1,2 Milliarden Dollar aus. Ob das reicht, ist fraglich – allein die Kosten für die Beseitigung von Umweltschäden schätzt GM auf 530 Millionen Dollar.

Kultur verbessern: Eines der symbolträchtigsten Zeichen der Zeitenwende bei GM: Die sieben Firmenflugzeuge sowie ihr Hangar am Flughafen Detroit werden an die Leasingfirma zurückgegeben. Im vorigen November hatten die damaligen CEOs der „großen drei von Detroit“ einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, als jeder von ihnen mit seinem eigenen Jet nach Washington flog, um Staatsgeld zu erbetteln.

Mit solch selbstherrlichem Getue soll Schluss sein bei New GM. Eine Änderung der Unternehmenskultur halten viele für den Schlüssel eines langfristigen Erfolgs. Rob Kleinbaum, der lange GM-Marktforscher war und heute als selbstständiger Berater arbeitet, plädiert für einen raschen Austausch von Führungskräften: „Henderson muss sich mit anderen Leuten umgeben.“

Jeder dritte Angestellte in der Zentrale muss gehen

Der hat damit zumindest angefangen. Mehrere Entscheidungsträger verlassen das Unternehmen: Bob Lutz, der einflussreiche Entwicklungschef und stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende, Einkaufschef Bo Andersson, der Cadillac-Markenverantwortliche Mark McNabb. Im Verwaltungsrat werden sechs von 13 Posten neu besetzt. Bereits gesetzt ist Edward Whitacre als neuer Vorsitzender. Der 67-Jährige ist ein Out-sider, der nach eigenem Bekunden von Autos keine Ahnung hat. Dafür weiß „Big Ed“, wie man einen Konzern umbaut – als langjähriger CEO machte er den Telekomkonzern AT&T zum Branchenersten in Amerika.

Kahlschlag auch an der Basis: Jeder dritte Angestellte in der Zentrale muss gehen. Und die, die bleiben, werden wohl nicht die Angepassten sein: Henderson hat die Berater-Legende Jon Katzenbach angeheuert. Der 76-Jährige, heute Partner bei Booz & Co., durchkämmt das mittlere Management nach Leuten, die risikobereit und entscheidungsfreudig sind – Tugenden, die bei Old GM kaum gefragt waren. Jeder Abteilungsleiter muss ihm fünf solche Mitarbeiter melden. Mit ihnen formt der Berater dann das „Team New GM“.

Um die berüchtigte GM-Bürokratie einzudämmen, geht Henderson, den sie in Detroit Fritz nennen, mit gutem Beispiel voran. Er verkürzt Vier-Stunden-Sitzungen auf die Hälfte, hat stundenlange Briefings vor öffentlichen Auftritten abgeschafft und übt sich im Delegieren. Kürzlich überließ er Buick-Chefin Susan Doherty die Entscheidung über die Ausstattung eines neuen Modells. Die tat öffentlich einen Stoßseufzer: „Fritz schafft eine Kultur, in der wir für eine Entscheidung nicht 17 Meetings brauchen.“

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