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US-Autobauer Die Wiederauferstehungs-Pläne von General Motors

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Der große Crash: Autoverkäufe in den USA

Neue Produkte: Kosten kürzen, Kultur verbessern – das ist wichtig, reicht aber nicht. Wenn der Konzern überleben will, braucht er Produkte, die die Käufer überzeugen. Hergestellt werden sollen sie zum Beispiel in Orion Township im US-Staat Michigan: 160.000 Kleinwagen sollen dort von 2011 an jährlich vom Band rollen. Michigan gewährt GM Steuererleichterungen bis zu 900 Millionen Dollar und weitere 130 Millionen für Weiterbildungsmaßnahmen.

Setzte Old GM auf benzinschluckende SUVs, so will New GM den Wiederaufstieg mit effizienten Kompaktwagen und umweltfreundlichen Avantgarde-Fahrzeugen schaffen. Ende 2010 kommt beispielsweise der Chevy Volt auf den Markt, ein Elektroauto mit einer Batteriereichweite von etwa 70 Kilometern. Und mit der kleinen Firma Segway, die einst den gleichnamigen Elektroroller erfand, entwickelt GM ein elektrobetriebenes Minimobil auf zwei Rädern. Arbeitstitel: Puma. Das Projekt sei Anlass zur Hoffnung, „dass General Motors endlich die Zeichen der Zeit kapiert hat“, befand das Web-Magazin „The Big Money“.

„New GM wird in der Entwicklung sparsamer und innovativer Fahrzeuge weltweit führend sein“, verspricht Henderson vollmundig. Allein 14 Hybridmodelle will man 2012 produzieren. 2014 sollen 65 Prozent der Neuwagen mit einem Alternativantrieb zu Benzin ausgestattet sein.

Experten sehen Eigentümerrolle des Staates kritisch

Zwei große Unsicherheitsfaktoren bleiben: ob GM erstmals in seiner Geschichte Kleinwagen und umweltfreundliche Antriebe zu konkurrenzfähigen Kosten herstellen kann – und ob der Markt den Schwenk akzeptiert. „Sie müssen neue Kunden gewinnen, und das schaffen sie nur, wenn die Marken ein besseres Image bekommen“, sagt Ron Harbour, Autor des gleichnamigen Branchenreports und Partner der Consultingfirma Oliver Wyman.

„Wenn in den USA noch in diesem Jahr rund zehn Millionen Autos verkauft werden und GM knapp 20 Prozent Marktanteil behält, schreibt das Unternehmen eine schwarze Null“, sagt Henderson. Doch er schweigt zu der Frage, wann New GM profitabel wird.

Zwar ist der Konzern durch die Insolvenz von einer gewaltigen Kostenbelastung befreit. Doch auch die Konkurrenz strukturiert um. Toyota etwa will operative Kosten von zehn Prozent sparen und hat in den USA rund 18.000 Beschäftigten eine Abfindung angeboten. Chrysler hat eine ähnliche Rosskur hinter sich wie GM. Bei Ford leitete CEO Alan Mulally schon bei seinem Amtseintritt vor drei Jahren die Sanierung ein – 40.000 Stellen wurden seither gestrichen und 17 Werke geschlossen. Der Konzern genießt zudem bei vielen Amerikanern Ansehen, weil er den Turn-around bisher aus eigener Kraft schafft.

Kritisch sehen Experten auch die Eigentümerrolle des Staates. Allerdings verleiht sie dem neuen Riesen – und damit auch seinen potenziellen Kunden – Sicherheit. „Die Regierung lässt ihr eigenes Unternehmen nicht im Stich. Sie will schließlich ihr Geld zurück“, sagt Bruce Belzowski vom Transportation Research -Institute der University of Michigan. Ein Scheitern von New GM wäre zudem eine herbe politische Schlappe für Obama. Dem ist das Risiko offenbar bewusst: Sein oberster Automanager Rattner plant für 2010 schon den Börsengang von New GM.

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