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US-Autobauer Insolvenz von General Motors birgt enorme Risiken

Die Gnadenfrist läuft ab: Bis heute Abend muss der angeschlagene Autoriese General Motors zehntausenden Gläubigern einen Schuldenverzicht abtrotzen. Dieses Bravourstück gilt unter Experten als höchst unwahrscheinlich. Dem US-Autobauer bleibt dann nur mehr die Insolvenz – und die birgt nicht nur für Opel enorme Risiken.

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Pickups der Quelle: REUTERS

Es müssen bittere Stunden sein für Fritz Henderson, den Chef des einst weltgrößten Autobauers General Motors: In wenigen Stunden wird dem Autoriesen vermutlich nichts anderes übrigbleiben, als seine Unabhängigkeit aufzugeben und ein Insolvenzverfahren einzuleiten. Spätestens heute Nacht müssten zehntausende Gläubiger auf einen beträchtlichen Teil ihrer Schulden verzichten. Ihre  Zustimmung gilt unter Experten als höchst unwahrscheinlich – aus guten Gründen.

Denn Henderson bietet den Gläubigern ein Tauschgeschäft an, das nicht besonders lukrativ ist. Je 1000 Dollar Schuldensumme will er ihnen 225 Aktien einer neu zu gründenden GM-Holding ausgeben.  Beim aktuellen GM-Börsenkurs von rund 1,50 Dollar ergibt das rein rechnerisch einen Schuldenverzicht von über 60 Prozent.

GM-Aktionäre: Nur mehr ein Haufen Spekulanten?

Mit insgesamt 27 Milliarden Dollar steht GM bei seinen Gläubigern in der Kreide. Anders als bei dem bereits insolventen US-Autobauer Chrysler sind viele GM-Anleihen unter Kleinanlegern breitgestreut. GM bietet ihnen für einen Schuldenverzicht einen Anteil von zehn Prozent am Konzern. Mindestens 90 Prozent der Kreditgeber müssen der Offerte für einen Erfolg zustimmen.

Das macht einen Kompromiss schwierig. GM ist börsennotiert - und hat extrem frustrierte Aktionäre. Ihnen droht die Totalentwertung ihrer steil abgestürzten Papiere. Wer nicht längst verkauft hat, ist Spekulant und ein unberechenbarer Gegner, etwa durch Klagen.

Multinationaler Präzedenzfall

Bei einem Nein der Gläubiger wird noch in den nächsten Tagen der Insolvenzantrag erwartet - mit massiven Folgen für die deutsche Tochter Opel und schwerwiegenden Folgen für die darbende US-Autoindustrie. Denn in Wirklichkeit kann kaum ein Experte voraussagen, wie sich die Insolvenz des US-Autobauers tatsächlich auswirken wird.

Denn mit GM ringt ein echtes US-Schwergewicht ums Überleben: GM beschäftigt weltweit 235.000 Mitarbeiter, vereint 12 Marken unter seinem Dach und ist international weit verzweigt. Und das unterscheidet GM deutlich von seinem früheren Konkurrenten Chrysler, den Obama Anfang März in die Insolvenz schickte: Chrysler hat nur ein Viertel der Mitarbeiter, des Absatzes und der Markentiefe von GM.

GMs schiere Größe macht eine ohnehin rechtlich meist komplizierte Insolvenz zu einem in dieser Art multinationalen Präzedenzfall. Experten streiten bereits ausgiebig über die möglichen Auswirkungen auf Opel und andere Töchter. GM hat viel mehr ökonomisches Gewicht - mit weltweiten Folgen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die US-Regierung GM auch bei einer Insolvenz Milliarden zahlen will

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